eBook Reader – nuetzlich oder Ballast?
Es ist schon ein paar Jahre her, als der “klassische” iPod auf den Markt kam. Puenktlich zum Erscheinen der zweiten Generation mit 20 GB Festplatte gab es dann auch hier den ersten (und bisher einzigen) Ausflug in die Apple-Welt. Das Geraet blieb ungefaehr 14 Tage und wurde dann ohne grossen Verlust wieder versteigert. Der Grund war einfach: Schon beim Betrachten des blossen Formats war klar, dass viel mehr damit machbar sein muesste als wie nur das blosse Abspielen von Musik hinter einem monochromen Display. Und dafuer war der iPod mit seinen damals mehr als 300 Euronen Kaufpreis und dem ziemlich elitaer-proprietaeren Gehabe der zugehoerigen Software einfach zu teuer. Geruechte um ein Serienproblem mit dem Akku, dessen Behebung haette teuer werden koennen, trugen ebenfalls nicht zur Zufriedenheit bei…
Schon bald kuendigte sich der iPod Photo an und glaenzte mit einem Farb-Display. Mittlerweile koennen die Geraete natuerlich auch Videos abspielen. Es geht immer weiter. Aber schon damals war klar, dass so ein Geraet der Schluessel zur Bequemlichkeit sein koennte, sollte es denn irgendwann einmal alles in sich vereinen, was Mann/Frau gerne als Extra-Ballast mit sich herumschleppt: Telefonfunktion, Internetzugang, Fernsehen, Radio, Kamera, mobile Jukebox, Organizer etc…
Das ist mittlerweile Realitaet. Hier und da mit Abstrichen, aber generell durchaus erhaeltlich und es wird nicht mehr lange dauern, bis das ultimative Allround-Geraet auf den Markt kommt. Das iPhone ist es (noch) nicht…
In diesen Zeiten kommen diverse Firmen daher und versuchen mit den “eBook Readern” in punkto Abmessungen wiederum verhaeltnismaessig grosse Geraete am Markt zu platzieren, welche (abgesehen von rudimentaeren MP3-Abspielmoeglichkeiten) eigentlich nur einer Funktion dienen: dem Lesen von papierlosen, elektronischen Buechern. Gehaeuse fuer PDF-Dateien sozusagen. Und fuer weitere Formate, ueber die mal wieder keine Einigung herrscht. Zugegeben, das speziell dem Zweck angepasste, augenschonende Display ist sicherlich ein grosser Pluspunkt dieser Geraete. Das “Umblaettern” soll aber noch sehr lange dauern und stark bebilderte Seiten erscheinen ebenfalls etwas grob und behaebig. Natuerlich kann die haeusliche Bibliothek im Idealfall in so einem Geraet untergebracht werden und somit waere es die Buch-Variante zur mobilen MP3-Jukebox.
An dieser Stelle stellt sich aber dann doch die Frage, ob ein gutes Laptop und/oder ein Netbook diese Aufgabe nicht ebenfalls uebernehmen koennte, denn damit funktionieren auch die meisten anderen, gaengigen Anwendungen richtig. Bis auf das dem Dauerlesen angepasste Spezialdisplay fehlt einem gaengigen Kleinlaptop sicherlich nichts, doch auch ein normales Display laesst sich sehr augenschonend einstellen. Im Gegensatz zum (Musik-) Hoeren braucht man zum Lesen ja ein Display und dementsprechend groessere Geraete.
Eigentlich hat es doch mehr Charme, beim Haendler an der Ecke ein Taschenbuch zu kaufen und sich damit auf eine Parkbank zu setzen. Gut, in punkto Musik koennte man aehnlich argumentieren, dass eine CD her muss, aber deren Wiedergabe ist ja gerade im Mobilbetrieb sehr stossanfaellig und viele Leute haben auch unterwegs gerne eine groessere Auswahl dabei. Aber wer liest mehr als hoechstens zwei Buecher gleichzeitig und muss diese staendig (u.U. in einem Extra-Geraet, welches nur dafuer gedacht ist) dabei haben?


Die Reader haben einen Vorteil: sie lassen sich bequem mit einer Hand halten. Ach ja, und natürlich die gestochen scharfe Schrift. Der Rest aber: zum vergessen. Die Verleger machen genau denselben Fehler wie die Musikindustrie und setzen geballt auf DRM.
Für mich wäre ein kleines Netbook der bessere Reader. Du hast es ja schon angesprochen: Mit so einem Teil geht eigentlich alles ganz gut. Ich “durfte” kürzlich mehrere Tage ein Aldi-Netbook testen und war anfänglich ganz begeistert. Klein, schnell, eigentlich alles was man braucht. Und es gibt sogar schon Software, die einem das eBook-lesen ermöglicht, wenn man das Netbook um 90 Grad dreht. Dann liegt das 1 Kilo Netbook fast wie ein richtiges Buch in der Hand. Und leichter als der 600 Seiten Schmöker im Hardcover ist es auch ;-). Ich glaube, ich muss meiner Schwiegermutter das Netbook nochmal entführen….
Grüße
Jürgen
Die wichtigste Frage ist natürlich wirklich: Wer braucht diese Ebookreader wirklich? Ich finde schon, dass es nützlich sein kann seine Biliothek dabei zu haben, wenn ich in den Urlaub fahre. Bisher sind die Geräte freilich noch nicht ausgereift: Den meisten fehlt ja sogar noch ein Touchscreen und eine sinnvolle Markier- und Notizfunktion. Aber wenn die dazu kommt, kann ich mir schon gut vorstellen, dass die Ebookreader einen Siegeszug antreten.