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Innen- und Aussenstadt

Die sogenannte “gruene Wiese” vor der Stadt wurde in den vergangenen Jahren immer mehr bebaut und so gesehen auch gefoerdert. Vielerorts entstanden wahre “Kaufparks” mit -und das ist die praktische Seite- grossen Parkflaechen, die meistenteils kostenlos genutzt werden duerfen. Ebenso sind die Busverbindungslinien dorthin meistens gut ausgebaut. Die angrenzenden Geschaefte und Grosshandelsfilialen bieten im allgemeinen nahezu alles, was fuer den taeglichen Haushaltsbedarf (und oftmals darueber hinaus) notwendig ist. Wer faehrt da noch gerne in die Innenstadt und sucht ewig nach einem freien, kostenpflichtigen Parkplatz, um letztendlich seine Einkaeufe doch durch die halbe Stadt schleppen zu muessen?

Freilich ist das nicht der Hauptgrund dafuer, dass die gruene Wiese boomt und viele Innenstaedte zusehends veroeden. Es faellt seit ein paar wenigen Jahren verstaerkt auf, dass die Geschaeftspalette in den Innenstaedten sich immer mehr vereinheitlicht. In fast jedem groesseren Innenstadtbereich gibt es bestimmte “Klottenlaeden” (also Modegeschaefte), eine ganz bestimmte Parfuemeriekette und natuerlich die einschlaegigen T-Punkte nebst Vertretungen der mobilfunkenden Konkurrenz. Wann immer ein alteingesessenes Geschaeft aufgibt, findet sich in den entsprechenden Raeumlichkeiten recht schnell einer der gerade genannten, “ueblichen Verdaechtigen” ein. Jetzt wird`s aber mittlerweile noch schlimmer…

Es faellt auf, dass -gerade in den direkten Randbereichen der Innenstadt- verstaerkt mehr oder weniger anonyme Sportwetten- und Lotterie”geschaefte” entstehen. Oftmals sind diese nach aussen hin bunt verziert, entbehren aber meistens einer Moeglichkeit, durch eine grosse (Schaufenster-)Scheibe einen Einblick ins Innere zu erhaschen. Menschen eilen rasch hinein und hinaus, auf den Parkflaechen davor stehen vorwiegend deutsche Oberklasse-Limousinen.

Ebenso scheinen Internet-Cafés einen zweiten Fruehling zu erleben, wobei deren Werbung mittlerweile auf den Slogan “weltweit guenstig telefonieren” ausgelegt wird. Anscheinend wird dort fleissig via Voice-over-IP telefoniert. Eine Goldgrube, wenn man bedenkt, dass Skype & Co. wenig bis gar nichts kosten. Vom aeusseren her aehneln diese Geschaefte eher den einschlaegigen Spielhallen, die meistenteils ebenso “anonym” im Zentrum herumstehen.

Letzter Punkt: Die stagnierende und teilweise sterbende Gastronomie im Innenstadtbereich. Schliesst eine Kneipe, dann zieht relativ zeitnah z.B. ein Modeladen oder ein tuerkischer Gemuesehaendler dort ein oder die Immobilie liegt brach, bis dass sich irgendwann mal jemand traut, sie neu zu eroeffnen, um dann nach einer Saison an zumindest aehnlichen Huerden zu scheitern wie der Vorgaenger.

Das allabendliche Partyvolk steuert mittlerweile gezielt die etablierten Freizeit-, Disco- oder Kneipenviertel mit Biergaerten an, verirrt sich aber selten bis gar nicht in die Eck-Kneipe vor oder die Kellerkneipe in der Innenstadt. Das taegliche “Shopping-Volk” faehrt beispielsweise gezielt nach Ikea und isst dort im trauten Halbfamilienkreis Koettbullar. Beides ist eine Form von moderner Zonenbildung, unter der die Kern-Innenstaedte letztendlich leiden…

Loesung? Schwer. Sicherlich sind teilweise horrende Pacht- bzw. Mietbetraege fuer normal-grosse Raeumlichkeiten in einer Fussgaengerzone fuer kleinere Unternehmer abschreckend. Aber genau diese Leute koennten frischen Wind und neue Attraktivitaet in die Innenstadt bringen. Ein Teufelskreis, der nur mit mehr- bzw. gegenseitigen Kompromissen und hoechstwahrscheinlich weniger Buerokratie aufloesbar waere…

KategorienDiverses
  1. 20. August 2008, 12:06 | #1

    Deinen Worten kann ich nur zustimmen. Hier in Luzern ist es nicht anders.
    Gehe ich in eine andere Stadt, fühle ich mich schnell mal “zu Hause”. Die gleichen Modeketten, die gleichen Fastfooder usw.

    Die Ketten haben sogar schon einen richtigen Verdrängungswettbewerb eingeleitet. Da sollen “Mangager” einfach in einen Laden kommen, mit dem berühmten schwarz Koffer, und Angebote für eine Übernahme unterbreiten. Natürlich im Millionenbereich an guten Lagen. Da können die Kleinen einfach nicht mehr mithalten.
    Was wir hier nicht kennen, sind die Wettläden. Aber das ist auch der einzige Unterschied. Die Globalisierung lässt grüssen.

  2. 20. August 2008, 13:10 | #2

    Komisch. Wir wohnen nicht in der selben Stadt. Aber dein Artikel passt auch wunderbar auf unsere Stadt. Streckenweise ist es hier wirklich übel geworden. Stellenweise aber auch Schön. Nein, wir streichen das Wort Schön und ersetzen es durch Modern. ;)

  3. Totti
    20. August 2008, 21:43 | #3

    hmm, tja, Leute, ist alles richtig, ihr habt ja recht, aber letztendlich ist es zum grossen Teil der Verbraucher, der den Weg bestimmt! Konkret beurteile ich die Lage in Gütersloh so: Hill/HL ist tot, war ein astreiner Lebensmittelmarkt, erlegt von euch Käufern, die (überwiegend) im Marktkauf o.ä. kaufen! Schürmann war eins der besten Spielwarengeschäfte in GT, getötet von Käufern, die bei ToysKack oder ebenfalls im MK kaufen! Tewesmeier war früher die erste Adresse wenn mein Vater neue Hemden o.ä. brauchte, heute wird sowas beim Aldi oder Lidl gekauft, Haushaltwaren wurden im Ofenhaus Amtenbrink gekauft, ich wette 99% aller Gütersloher kennen den jetzigen immer noch bestehenden Laden garnicht mehr! Diese Gegenüberstellung könnte ich noch ellenlang fortführen…. aber was nützts, Geitz ist geil, oder?

  4. 20. August 2008, 22:27 | #4

    Neeee…. Totti…. so ganz sehe ich das nicht so. Du hast zwar groesstenteils Recht, aber generell gebe ich zum Beispiel einem Manni Heweling vom “HiFi Corner” oder einem Buecker immer den Vorzug vor dem Media Markt, erstens aus alter Verbundenheit und zweitens, weil der MM allerhoechstens nur dann halbwegs konkurrenzfaehige Preise hat, wenn er Sonderangebote macht. Und selbst dann muss man noch ganz genau hinschauen… Geiz ist also nicht unbedingt geil.

    Ich habe bei Buecker einen Fernseher gekauft. Ist schon ein paar Jahre her, als Manni noch keine fuehrte. Diesen Fernseher habe ich ein halbes Jahr spaeter privat weiter verkauft und ihn dann relativ schnell vergessen. 18 Monate spaeter, zum Ende der Garantiezeit, kam ein Schreiben von Buecker. Sinngemaess hiess es dort: “Wir bieten Ihnen an, den Fernseher XYZ mit der Seriennummer 123 vor dem Ende der offiziellen Garantiezeit noch einmal kostenlos durchzusehen und von innen zu reinigen”. Ich war baff. DAS allein waere schon ein Grund, jederzeit wieder dort zu kaufen, sollten diese “kleineren” Haendler keine “Mondpreise” verlangen, was aber die allermeisten bei genauerem (!) Hinsehen auch nicht machen…

    Hill ist sicherlich ein Opfer der “gruenen Wiese”, denn welcher gesunde, lauffaehige Mensch, der ggf. auch ein Auto besitzt, kauft tuetenweise Lebensmittel dort ein, um sie dann unter Umstaenden erstmal durch die Stadt schleppen zu muessen? Da ist z.B. der Marktkauf aus im Text genannten Gruenden sicherlich praktischer… (und vermutlich auch preisguenstiger…)

    Obwohl mein Beitrag jetzt nicht explizit auf GT gemuenzt war (aber auch darauf uebertragbar ist), sehe ich es gerade im Fall GT aber auch so, dass unter anderem (!) eine miserable Verkehrspolitik (man erinnere sich an die Kirchstrasse) Schuld am jetzigen Status Quo der von Dir genannten Geschaefte ist. Und natuerlich auch die teilweise nicht nachvollziehbaren (Bau-) Auflagen, die in den letzten Jahren auf viele dieser Geschaeftsinhaber eingeprasselt sind, von den gerade im GT-Innenstadtbereich ins Uferlose gestiegenen Pachtforderungen ganz zu schweigen (an letzteren ist ja z.B. auch das “originale” Café “Klecks” gescheitert).

    Man kann und darf keine plumpe, pauschale Schwarz-Weiss-Malerei insofern betreiben, als dass man sagt “der Grossmarkt ist das Monster und frisst die kleinen”. Das stimmt zwar sicherlich auch viel zu oft, aber andere Faktoren spielen da manchmal auch mit hinein…

  5. homm2
    22. August 2008, 14:09 | #5

    Wenn eine Stadt innerhalb eines Quadratkilometers nahezu 20 Apotheken hat und dazu noch ca 20 Handyläden, kann es eigentlich nichts mehr werden…

  6. 22. August 2008, 23:41 | #6

    Bei uns passt das leider mit dem großen Monster. Damals war unsere Innenstadt nicht schlecht. Mit der Zeit ließen die Leute aber ihr Geld lieber in der Nachbarstadt, weil dort das Warenangebot einfach größer war/wurde. Auch die Gemütlichkeit der Altstadt lud dazu ein. Es hat einfach mehr Spaß gemacht. Unsere Stadt ist viel zu jung mit ihren aktuellen 70 Jahren, um eine Altstadt bieten zu können. Um wieder mehr Kaufkraft in unsere Stadt zu holen, griff man dann gleich in die Vollen. Man setzte ein Shopping Center (diese 4780 Geschäfte unter einem Dach) mitten in die City. Das gab es zwar in der Nachbarstadt auch, aber viel kleiner. Mittlerweile hat die Nachbarstadt aber auch so ein ‘Monster’. Und das ist fast doppelt so groß als ‘unser Monster’. *g Für mich war sofort klar, das solch eine moderne Einkaufsfläche, die restliche Innenstadt platt machen würde. Und so kam es auch. Die Innenstadt mit ihren vielen großen Plätzen verlor Kundschaft und Geschäfte. Wer auf der Suche nach 1 Euro Waren war, der war in unserer Innenstadt dann genau richtig. Ein Paradies! Mittlerweile hat sich das ein wenig beruhigt. Ich gehe gerne in ‘unsere’ City-Galerie. Das streite ich nicht ab. Aber auch nur, weil ich in der restlichen Stadt nix gescheites mehr habe, bis auf wenige Ausnahmen. Aber es besteht Hoffnung. Die Innenstadt wird gerade komplett überarbeitet und es stehen auch schon ein paar Investoren in den Startlöchern, um alte Gebäude umzubauen und zu modernisieren. Das ist auch dringend nötig. Denn man möchte nicht mehr nur eine Innenstadt für die Bürger. In den letzten Jahren wendete man sich massiv dem Tourismus zu. Die Region kann es gebrauchen. Dadurch wurden schon viele tolle Projekte umgesetzt, die unsere Stadt wieder attraktiv machten. Und nun sollen auch die Touristen den Weg in die neue, moderne Innenstadt finden.

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