Der beste Mix bei Antenne XXX
Frage an die Band Boppin’B im NormCast Nr. 169 :
“Ist das Radio fuer euch Unterhaltung, Aergernis oder Inspiration?” Die Antwort : “Trauer”. Besser haette man es kaum ausdruecken koennen…
Eine ungefaehr achtstuendige Autofahrt, kurz vor Weihnachten. Die extra-gebrannte CD-RW mit den bislang verpassten Podcasts, Musikalben und Hoerbuechern liegt im Player. Das Radio an sich werkelt im Hintergrund und soll eigentlich nur die Verkehrshinweise einblenden…
“Bei uns der schnellste Verkehrsservice – immer zuerst”, toent es auf einmal. Aha… man ist in sueddeutschen Gefilden angekommen. Da sich die Empfangslage von einem zum naechsten Tal schnell mal aendert, ziert der Hinweis “Traffic Info” kurze Zeit spaeter wieder das Display. Allerdings bedankt sich ein Sprecher bei einem Hoerer fuer eine Spende und verspricht, den gewuenschten “Superhit” in der naechsten Stunde nach Robbie Williams und einem weiteren “besten Hit der 80er” zu spielen. Stimmt, es ist ja Weihnachten und die Privatsender uebertrumpfen sich zu dieser Zeit gegenseitig mit ganztaegiger Audiomilde. Nichts dagegen, man muss es sich ja nicht anhoeren, aber trotzdem wirkt alles sehr gekuenstelt…
Rueckfahrt, kurz nach Weihnachten. Ein ueberdrehtes Moderatorenpaerchen bespasst die Fruehaufsteher via “Hitradio (…hier irgendeinen Namen einsetzen…)”:
“Weisst Du schon das Neueste?” “Nein, aber du wirst es mir sicher gleich sagen” -gnihihihihiiii- “Elton John hat ein Kind bekommen. Wie er das wohl gemacht hat! hö-hö-hö…”
Und wieder ist ein aufgesetztes “Hihihihihi” der kieksenden Co-Moderatorin zu vernehmen.
Danach Bon Jovi. Mal wieder. “It’s my life“, aber gefuehlt-kuerzer. Mittendrin wurde einfach ein Instrumentalpart herausgeschnitten. Mittlerweile kastrieren die Formatradios also auch schon die Songs ihrer Stammlieferanten…. “I need a dollar, dollar, dollar…“, zum ersten.
“Don’t let go – never give up – it’s such a wonderful life“… Aaaaahhh…. eine Wohltat… aber: wie klingt das eigentlich? Keine Dynamik, die leisen Stellen sind genauso laut wie die “lauten”. Ach ja. Das ist ja wieder das Radio. Der Limiter leistet ganze Arbeit. Alles wird auf einen Pegel geregelt und laesst viele Songs zu einem Soundbrei werden. “In der naechsten Stunde wieder die besten Hits – nur bei uns”. Und danach ist in der Werbung alles “X-X-X”… Kurz vor den Nachrichten noch einmal “I need a dollar, dollar, dollar…”, zum gefuehlt-siebzehnten Mal an diesem Tag…
Dabei ist es uebrigens unerheblich, ob ein oeffentlich-rechtliches “Mainstreamprogramm” oder die private “Antenne (hier irgendeinen Namen einsetzen…)” laeuft. Es gibt mittlerweile nahezu ueberall die gleichen Strukturen, Floskeln, Features, Sprueche und die immergleiche Musik der “Gute-Laune-Terroristen mit ihren Top-500-Listen” (Danke, Markus :)).
Die wenigen, guten Sendungen verschwinden in den “untergeordneten” Programmen einer Senderkette, sofern vorhanden.
Frueher freute ich mich, wenn auf einer Fahrt in den Sueden im Display endlich “hr3″, “Bayern3″ oder “OE3″ zu lesen war. Heute ist alles – eins. Und traurig. Siehe oben.


Hallo,
der Beitrag trifft voll ins Schwarze! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, zumal ich mit mehr als einem halben Jahrhundert Anwesenheit auf dieser Erde die radioprogrammtechnisch besseren Zeiten erleben durfte.
LG Michael
Ohja, dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das Radio heute ist ein einziges Trauerspiel. Wir haben bei uns hier ein einziges Radio stehen, welches sich im Kinderzimmer befindet. Immer wenn ich mit meinem kleinen Sohn in seinem Zimmer sitze um einfach ein wenig Zeit mit ihm zu verbringen, denke ich mir “mach doch mal Radio an” denn mit Musik ist ja alles viel schöner. Aber meistens führt das dazu, das ich das Ding nach spätestens einer viertel Stunde wieder ausschalte. Weil ich wieder einmal die Hits höre, die ich gefühlt schon seit einem Jahr jeden Tag den ganzen Tag hören muss, immer wenn ich mal das Radio einschalte. Von den gekünstelten Moderationen will ich hier garnicht erst anfangen. Ich finds einfach nur traurig, wo sind nur die guten alten Radiozeiten hin…
Trotz alledem ein gutes neues Jahr 2011 wünsche ich.
… ähm … Du hörst doch noch Radio? Bin überrascht! ;-)
@coke Ja, natuerlich. Wenn man sich kritisch ueber eine Sache aeussert, muss man sich zumindest mit ihr befasst haben. Das Radio an sich ist ja trotzdem noch ein Medium, das mir nach wie vor am Herzen liegt… Naja, vielleicht fuehrt mein Weg irgendwann auch mal wieder dahin. Aber solche Sendungen, wie die im Text beschriebenen, wuerde ich nicht machen wollen. Eher so etwas wie z.B. Werner Reinke. Nach wie vor gut…
Schlimm, schlimm, das Ganze!
Und es ist überall (wirklich ÜBERALL) derselbe Mist. Das einzige, das stationär hörbar bleibt ist, zumindest heir in Karlsruhe, AFN und das auch nur bei einigermassen gutem Wetter und
ein WLAN Radio oder ein Tablett. So mache ich das jetzt: alten Laptop (OS auf ner CF-Karte) mit WLAN an die Stereoanlage und ein Tablett mit Dockingstation und WLAN in die Küche. Und dann ist mir das ganze “und-das-beste-von-heute-Gerümpel” sowas von egal, dann höre ich nämlich Radio Paradise, Blues4all oder Allsouthernrock!!
“Leider” habe ich auch hautnah mitbekommen, wie es ist, wenn man etwas abseits vom Mainstream sendet. Viele Hörer finden das gut, es ist jedoch so, dass Werbekunden, und nur damit finanziert sich ein kleiner Sender, eher auf den Mainstream gehen. Die heutigen Hörgewohnheiten sind nämlich so, dass das Radio nebenbei mitläuft und die Hörer eben doch das Zeugs hören wollen, dass man überall hört. Was nutzt dir klasse Musik (das was Du und ich halt darunter verstehen), wenn du nach einem halben Jahr den Laden dicht machen musst, weil du es nicht mehr finanzieren kannst. Und so ein Sender kostet richtig Geld. Also bleibt dir nur der Weg, den alle Sender gehen: hin zum Hörer, hin zum Mainstream, weg von der Differnzierung. Schön, wenn Du dir eine Nische erhalten kannst: Nightlife bei BR3 oder der Kopfhörer beim SWR (nein, nicht ich :-) ). Solche Sendungen müssen gehegt und gepflegt werden, dann kann man zumindest zeitweise mal wieder Radio hören.
Grüße
Jürgen