DVD XXL
Es zieht sich durch die Mediengeschichte wie ein roter Faden: Immer dann, wenn ein Massenmedium in die Jahre kommt und die Welt nach neuen Formaten schreit, gibt es die anscheinend unvermeidbaren Wettlaeufe um die Zukunftsmedien. Resultat: Die Kaeuferschaft wird verunsichert und weiss nicht, auf welches Pferd sie setzen soll. 8mm gegen 16mm, Schallplatte gegen Cassette, Betamax+Video2000 gegen VHS, MiniDisc gegen DCC, DVD+ gegen DVD-, CF gegen SD gegen MMC gegen XD gegen MS, Blu-Ray-Disc gegen HD-DVD… …die Liste ist lang.
Seitdem sich aber fast alles auf einer normalgrossen Plastikscheibe abspielt, liegen die “eierlegenden Wollmilchsaeue”, die Alleskoenner, voll im Trend. DVD-Heimrecorder, die sowohl “plus” als auch “minus” abspielen (egal, ob auf einmal- oder mehrfach bespielbaren Scheiben) und die zusaetzlich auch noch VCD, SVCD, DivX, Audio-CD, Jpeg und MP3 abspielen koennen, gibt es mittlerweile fuer oftmals unter 100 Euro zu kaufen. Das Schoene daran ist, dass es nicht notwendig ist, sich darueber Gedanken zu machen, welche Scheibe man dem Geraet zu schlucken gibt. Hauptsache, sie spielt…
Und genau deswegen laesst mich der jetzige Formatkrieg “Blu-Ray vs. HD-DVD” voellig kalt. Fakt ist, dass das vorlaeufig-zukuenftige Medium weitaus mehr Speicherkapazitaet haben wird als wie eine “normale” DVD mit bis zu 8,5 GB. Somit wird hochaufloesendes Fernsehen ermoeglicht. Eigentlich eine feine Sache, aber es ist eine Frage des “Brauchens”. Eine herkoemmliche DVD macht auf einem guten Fernseher, der nicht gerade die Ausmasse eines Fussballfeldes hat, ein voellig ausreichend-gutes Bild. Allerdings sind High-Definition-Sendungen auf einem entsprechend-grossen Geraet oder Beamer ebenfalls faszinierend anzusehen und fuer solche Vorlieben reichen die 720*576 Pixel, die eine PAL-DVD “nur” bietet, nunmal nicht unbedingt aus.
Also heisst es mal wieder: Zuruecklehnen, vorlaeufig zufrieden sein mit dem Vorhandenen und abwarten. Die Zeit spielt einem in die Haende. Die Geraete werden guenstiger und zueinander kompatibler.
Wie die “Welt” schon schreibt: “Mitten in die Auseinandersetzung platzte nun die Ankündigung des Elektronik-Giganten LG: Er wird den weltweit ersten HD-Player veröffentlichen, der beide Formate wiedergeben kann. Dieser könnte mit dazu beitragen, dass langfristig HD-DVD und Blu-ray nebeneinander existieren werden.” (Quelle: Artikel bei Welt Online)
Die naechste, logische Evolutionsstufe werden sowieso statische Speicher sein, die ohne grosse Mechanik auskommen werden. Da liegt die Zukunft. Derzeit noch zu teuer, aber ein vielversprechender Ansatz sind zum Beispiel die Flash-Festplatten.
Auf WinFuture.de sieht man in einem interessanten Video den Bootvorgang von Windows Vista gleich zweimal, auf jeweils identischen Laptops. Nur ist das eine mit einer SanDisk-Flashfestplatte bestueckt, waehrend das andere eine normale Festplatte aufweist (Link). Schon faszinierend…


Lieber Norman,
Eine schöne Ausführung zu diesem Thema. Da möchte ich noch hinzufügen, dass gerade die Bewegtbildformate ein Paradebeispiel für solchen Industrie-Hickhack sind.
Die Videonormen waren von je her “Proprietär”, auch wenn diese heute als Standards ausgegeben werden. Beispiel DVD Video: Hier kommen der “Standard” MPEG2 sowie das Verfahren PCM und AC3 zum Einsatz. MPEG2 spezifiziert Verfahren zur Audio- und Videokommpression, eben MPEG2 Video und MPEG2 Audio. AC3 ist ein Audiokompresisonsverfahren der Firma “Dolby Systems” und PCM ist eine Methode zur Quantisierung von Analogen Signalen (Digitalisierung von z.B. Audio).
Das Spielchen wiederholt sich allso wieder (Wie heißt es so schön bei Battelstar Galactica: Alles ist schon einmal geschehen und es wird immer wieder geschehen).
Neben dem “Formatkrieg” um die HD DVD und BlueRay Scheiben hat sich die Industrie nicht einmal auf die zu verwendenden Verfahren geeinigt, die auf den Scheiben eingesetzt werden sollen. So steht die MPEG Gruppe gegen ein Konsortum um Microsoft (MPEG4 vs. VC1). Vorher ist der MPEG2 Standard schon aufgenommen worden und nun wurden einfach alle Verfahren, also MPEG4 (H264) und VC1 für HD-DVD/BluRay zugelassen.
Den Konsumenten schert das wenig. Wichtig ist, wie Du schon gesagt hast, dass das Zeug einfach auch konsumierbar ist.
Salve aus Stuttgart,
Simon
Hi Simon!
Auch das zieht sich wiederum wie ein roter Faden durch die Medienszene, aber auch durch die sogenannte “alternative” Szene, die immer wieder (und weiterhin) versucht, sich von den Industrie-Standards abzuheben. Letztendlich werden die daraus resultierenden Formate oftmals von der Industrie internalisiert.
Was war z.B. “DivX” urspruenglich? Nichts anderes als ein gehackter Microsoft-MPEG4-Codec. Die beruehmte DivX-Version 3.11 teilt sich anscheinend nicht umsonst die Versionsnummer mit einer der bekanntesten, fruehen Windows-Versionen :)
Mit “XviD” (=”DivX rueckwaerts”) hat dann eine weitere Gruppe versucht, ein Format zu etablieren.
Aber, beide haben es sozusagen vorgemacht: Sie ko-existieren zumindest in technischer Hinsicht mittlerweile ganz gut miteinander.
Morgen ist heute schon gestern…