Der ganz normale Wahnsinn
Erstmalig eingelegt, zauberte dieses neue Werk von Udo Juergens dem Schreiber dieser Zeilen gleich ein Laecheln ins Gesicht. Es klingt nach zuhause und es wirkt trotzdem modern. Zugegeben: Es gibt Wiedererkennbares auf dem neuen Udo-Juergens-Album. Aber das ist auch gut so und sich selbst zu zitieren ist manchmal voellig legitim. Vor allen Dingen dann, wenn man wie Udo Juergens mit bald 77 Jahren auf eine qualitativ und quantitativ beeindruckende Discographie zurueckblicken kann und darf…
Konsequent greift er den Grundgedanken des Songs “Voellig Vernetzt” aus dem vorherigen Album “Einfach Ich” wieder auf, singt ueber Facebook, Twitter und der damit verbundenen Durchsichtigkeit der Persoenlichkeit (“Du bist durchschaut“), wobei er zudem mit “Alles ist so easy” ordentlich gegen das “D-Englisch” schiesst:
Wir verlieren nicht – wir loosen; Wir nutzen nicht – wir usen.
Wir entspannen nicht – wir chillen; Wir toeten nicht – wir killen.
Udo swingt (“Schenk’ mir einen Traum”, “Wenn ein Lied so waer wie Du”) und ist weit entfernt von Alterswehleidigkeit – aber auch von Altersmilde, wie bereits der Titelsong beweist:
(…) Nepper, Schlepper, Bauernfaenger; Terror, Sex und Datenklau.
Auf der Pizza falscher Kaese, Schwermetall im Kabeljau. (…)
Dann noch Fernseh’n unterirdisch, Superstars, die tun mir leid.
Nackte Deppen im Container, weggezappt – schad’ um die Zeit. (…)
Dazwischen gibt es Balladen in typischer Udo-Manier, musikalisch-luftiges (“Mein erster Weg”), Nachdenkliches (“Am Ufer”) und generell immer satt- bzw. Wohlklingendes nebst durchdachter Arrangements, die niemals langweilig werden.
Udo 2011 ist aktueller denn je und gleichzeitig vertraut wie eh und je. Dabei scheint er mit sich selbst zufrieden und letztendlich auch mental angekommen zu sein:
Mein Weg zu mir war krumm und weit. Und scheint auch vieles noch verschwommen,
am Ufer aus erfuellter Zeit bin ich endlich, endlich angekommen.
Diesen Kunstgriff schafft nicht jeder. Respekt!


Man muß ihm wohl wirklich Respekt zollen, geschätzter Norman..er ist in der Tat der einzige deutschsprachige Entertainer von Weltformat. Ich hab ihn mir mal Anfang der Achtziger “angetan” – ich wollte einfach wissen, was an dem Mann dran ist. 3 Stunden erstklassiges Entertainment mit einem tollen Showorchester. Soweit die Objektivität. Subjektiv macht er aber seit 30 Jahren immer die gleiche Platte. Er bedient eben seine Klientel – und die scheint hauptsächlich aus Führungskräften und leitenden Angestellten nebst Gattinnen zu bestehen.: Leute so ab 55 aufwärts, die schon lange in trockenen Tüchern sind. Weil genau die sich die exorbitanten Ticketpreise leisten können. Und mal ehrlich – ist ein Mann, der sechstellige Abendgagen kassiert wirklich prädestiniert, die heutige Jugend analysieren zu können? Da spricht nicht die Altersweisheit – eher jemand, der mit dieser früher war alles besser-Attitüde hantiert und die Gegenwart nicht mehr wirklich reflektieren kann will. Du hast da schon die richtigen Textpassagen gewählt – alles Platitüden. Da macht es sich jemand doch etwas zu einfach…und wenn er sagt, er sei endlich angekommen – dann war das schon vor 30 Jahren. Wie gesagt – ich schätze sein “Lebenswerk” – aber relevant ist das nun wirklich nicht mehr. Tom Jones hat das da schon eher drauf – der “rockt” auf seine Art immer noch und spricht dabei durchaus nicht nur das Bausparerpublikum an.
Geschaetzter Fred :-) Das, was die einen als “Platitueden” ausdeuten, kann bei anderen genau den Nagel auf den Kopf treffen, sie beruehren und bewegen. Und sofern dieser Effekt eintritt, ist es egal, ob es “Platitueden” sind oder nicht. Meiner Meinung nach entwirfst Du ein zu abgegriffenes Klischee vom Deiner Meinung nach anscheinend typischen Udo-Hoerer. Schau Dir doch mal diese angeblich so tollen Leute à la Bushido & Co. an, die “die Jugend” heutzutage bewegen. Die bekommen fuer grammatikalischen Duenpfiff in Kombination mit sangestechnischem Unvermoegen erst recht Mordsgagen. Sind die glaubwuerdiger? Nicht! Nun denn… aber Danke fuer den Beitrag :-)