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Tour de France – Zapped!

20. Juli 2007

ARD und ZDF bemaengeln etwaige Missstaende bei der diesjaehrigen Tour de France und drohen mit ihrem Ausstieg aus den Live-Uebertragungen. Wenig spaeter wird diese Drohung aufgrund des eingetrenen Dopingverdachts gegen den T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz in die Tat umgesetzt.
So weit, so gut (oder?)…

Der Schreiber dieser Zeilen "bewundert" zunaechst (!) die Konsequenz, die ARD und ZDF zeigen. Bis zu einem gewissen Punkt. Je mehr man darueber nachdenkt und je mehr man auf anderen Webseiten, Blogs und Portalen darueber liest, desto staerker manifestieren sich doch Zweifel.

Ich erinnere mich an die Auftaktsequenz aus der guten, alten Fernsehserie "Ein Colt fuer alle Faelle". Da hiess es: "In den USA gilt jeder Beschuldigte solange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist." Hierzulande kann daher zurecht argumentiert werden, dass ARD und ZDF sich gewissermassen als "Richter" aufgespielt haben und daher zumindest die restlichen Fahrer, die unter Umstaenden "sauber" sind, damit gleichzeitig mit gebrandmarkt haben.

Wirtschaftliche Erwaegungen spielten dabei sicherlich nicht die Hauptrolle, denn mit einem ordentlichen Kontingent an GEZ-Gebuehren im Ruecken kann man so etwas leicht auf dem Ruecken der Zwangsabgabe-zahlenden Mehrheit austragen.

Somit hatte sich der urspruengliche Respekt fuer die Abbruchaktion schon einigermassen relativiert. Am Abend desselben Tages kam es dann faustdick. Beim zufaelligen "Stolpern" ueber das abendliche Fernsehprogramm sah man auf beiden oeffentlich-rechtlichen Hauptkanaelen selbstbeweihraeuchernde Diskussionen und vermeindliche "Rechtfertigungsversuche" in 60 Minuten + X Sendezeit gestopft. Daran beteiligt waren Leute, die von der eigentlichen Materie des Radsports wahrscheinlich genauso wenig verstehen wie unsereins. Zitate wie "oeffentlich-rechtlicher Rundfunk ist halt nunmal mehr als nur Geld verdienen" (=>Tagesthemen) waren einfach nur Propaganda, ueberfluessig und fehl am Platz. Diese ganzen Sendungen konnte man nach dem Motto "Wir sind die tollsten Moralapostel auf der Welt" getrost und schnell abhaken und an dieser Stelle war spaetestens nahezu jeglicher, urspruenglicher Respekt fuer die Aktion verschwunden. Ein ordentlich verfasstes Statement auf den Webseiten von ARD und ZDF sowie eine entsprechende Laufschrift im Programm und/oder eine sachliche (!) Bekanntgabe in der "Tagesschau" bzw. "Heute" nebst Presseerklaerung haette(n) voellig ausgereicht und weitaus mehr Niveau gehabt…

SAT1 hatte die Lage erkannt und sich schnell die freigewordenen Senderechte gesichert. Resultat: Noch am selben Tag begannen die Live-Uebertragungen von der Tour auf diesem Sender. Was zunaechst quasi als "widerliche Sensationsgier" anmutete und was jedem Klischee, welches man einem "privaten" Sender entgegenbringen kann, auch gerecht wurde, war eigentlich ein vorhersehbarer Vorgang, den die freie Marktwirtschaft diktiert hat.
(Hallo Alexx :))) Ansonsten haetten vermutlich RTL oder das DSF oder sonstwer zugeschlagen. Auf "Eurosport" liefen die Uebertragungen ja sowieso.

Waere das Szenario andersherum gewesen, also haette ein Sender à la SAT1 die Tour urspruenglich uebertragen und waere dieser Sender dann aufgrund der Argumentation, die die oeffentlich-rechtlichen in den Vordergrund geschoben haben, ausgestiegen, dann haette diese Aktion wahren Respekt verdient, da diese unvermeidbar mit betraechtlichen, finanziellen Verlusten fuer diesen werbefinanzierten Privatsender verbunden gewesen waere.

Alles ist relativ…

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