
"Loriot" alias Vicco Von Bülow ist im Alter von 87 Jahren gestorben.
Er war der Meister des feingezeichneten, niveauvollen Humors. Viele seiner Sketche, Gedichte und Cartoons gehoeren mittlerweile zum "Kulturgut", denn sie waren, sind und bleiben zeitlos-gut.
Man erinnere sich an die beiden Herren im Bad, an das Adventsgedicht, die Nudel oder an "Weihnachten bei Familie Hoppenstedt".
Der Vater der Knollennasenmaennchen hat den letzten Pinselstrich absolviert – moege er in Frieden ruhen!
Wir befinden uns in einer Zeit, in der Automaten die Menschen an vielen Stellen ersetzen. Oftmals wuenscht man sich die ersetzten Bediensteten zurueck, weil die Automaten viele Dinge sogar verkomplizieren. An andere Dinge hat man sich aber mittlerweile so stark gewoehnt, dass ein menschliches Hilfsangebot sogar stoerend wirken kann…
"Willkommen bei Shell" begruesst mich ein junger Mann an der Zapfsaeule. "Ein Tankwart? Ganz ehrlich, das habe ich seit zwanzig Jahren nicht mehr erlebt", entgegnete ich ueberrascht. "Ist doch gut, oder?", fragt er mich. Ich zoegere mit der Antwort. Warum eigentlich? Doch ich merke schnell, dass mir das gar nicht behagt. Rein subjektiv empfunden und mit Sicherheit nicht beleidigend gegenueber dem eifrig die Frontscheibe meines Autos wischenden Tankwart gemeint. Als der Tank voll ist, drueckt er mir einen Vordruck in die Hand, auf dem ein Smilie um einen Euro fuer den Tankwart beim Zahlen an der Kasse bittet.
Was ist das nun? Wahre Service-Denke oder der geplante moralische Griff in die Geldboerse?
Ich habe immer selbst getankt, Reifendruck und Öl immer selbst ueberprueft, die Scheiben bei Bedarf auch schnell selbst gereinigt. Das war und ist fuer mich voellig normal und ich gebe ganz ehrlich zu, dass mich ein Tankwart sozusagen "stoert". Natuerlich kann dieser anderen Leuten gerne behilflich sein, sofern diese das wuenschen. Ich wuensche und brauche es aber nicht. An dieser Stelle sollte ein Wink oder ein "Nein, Danke" ausreichen, ohne dass man sich als Kunde gleich schlecht vorkommt. Ob’s funktioniert, wird demnaechst getestet. Diesmal war die Ueberraschung zu gross und das, obwohl es bei Shell die Tankwarte anscheinend schon seit 5 Jahren wieder gibt. Mir war bisher allerdings noch keiner davon begegnet. Bis heute…
"Darf’s a Schnaepsle sein?" Ein in ein speziell-beschriftetes T-Shirt gesteckter, junger Mann kommt mit einem Bastkorb auf uns zu. Eine Gruppe einheitlich-spassig gekleideter Menschen mit Bierdosen in den Haenden umrahmt ihn. Okay, es ist Junggesellenabschiedstour und hoechstwahrscheinlich wird die Gruppe Dank dem Alkohol zu spaeterer Samstagabendstunde nicht mehr so gerade und geordnet durch die Gegend streifen.
Wir setzen unseren Weg in die Nuernberger Innenstadt fort und finden ein Plaetzchen vor dem "Barfuesser", einer Privatbrauereri mitten in der Fussgaengerzone. Und trauen unseren Augen nicht. Innerhalb von wenigen Minuten kommen zehn (!) unterschiedliche -allerdings meistens weibliche- Feiergruppen vorbei, die den Leuten Kondome, Schnapsflaeschchen und aehnliche Dinge andrehen wollen. Ein paar Meter weiter stimmen die Maedels "Que sera sera" an und unterhalten damit die halbe Fussgaengerzone.
Alles schoen und gut und es sei ihnen gegoennt. Als "normaler" Innenstadtbesucher wird man der Sache aber sehr schnell ueberdruessig, weil diese Gruppen einem wirklich fast ueberall begegnen. Es foerdert aber auch die Kreativitaet, denn es wird zu einer logistischen Herausforderung, den Weg zum naechsten Ziel so zu waehlen, dass man moeglichst wenige Heiratswillige antrifft :-)
Bei Anruf – Licht! So koennte man das Projekt "Dial4Light" (welches natuerlich einen trendigen, englischen Namen tragen muss…) beschreiben. Eine zu durchquerende Gegend wird erst dann beleuchtet, wenn der Passant das Licht per Handy anfordert. Dazu muss er sich vorher per Internet bei "Dial4Light" registrieren. Der Grundgedanke: Energie sparen und einen krassen Gegenpol zu den beleuchteten Autobahnen Belgiens schaffen :)
Doch das Ganze hat Schattenseiten und arbeitet noch nicht wirklich zuverlaessig (siehe hier). Noch ist nicht jeder im Internet zugegen und/oder will sich ueberhaupt mit solchen Methoden auseinandersetzen. Und nicht jeder moechte seine Mobilfunknummer fuer alle moeglichen -vom eigentlichen Telefonzweck abweichenden- Dinge hergeben. Parkgebuehren, Eintrittsgelder, Mautgebuehren – all das kann per Handy abgewickelt werden (und das wird es teilweise auch schon). Daher geht der Trend fuer viele zum Zweit-Handy, dessen Nummer fuer solche Sachen hergegeben wird, obwohl die (werbetreibende) Industrie, Behoerden und andere Gruppierungen mittlerweile ganz wild auf die "richtigen" Handynummern sind. Bei dem weiterhin schrumpfenden Festnetzanteil in Verbindung mit immer duenner werdenden Telefonbuechern kein Wunder…
Generell ist das Bezahlen per Handy sicherlich eine innovative Idee, sollte aber nicht die alleinige Loesung sein bzw. bleiben. Alltaegliche Grundfunktionen duerfen dadurch nicht auf einen internet-affinen und mit Mobiltelefonen ausgeruesteten Bevoelkerungsanteil zugeschnitten bzw. limitiert werden. Doch der Anteil solcher Dienste wird steigen. Naja, wenn’s soweit ist, kann man ja die evtl. noch vorhandene, alte Prepaid-Handynummer recyceln. Aber die "Richtige" ist und bleibt – Privat!
Dirk Salomon und "Rammstein"-Keyboarder Christian Lorenz wollen alte VW-Kaefer vermieten. "UniKaefer" heisst das Projekt, welches sich vornehmlich an Studenten wendet. "Der Käfer ist fast komplett aus dem Straßenbild verschwunden. Es war höchste Zeit, das zu ändern" sagt Salomon in einem Artikel bei Welt.de. Recht hat er, aber bekanntlich ist nichts ewig…
Ich freue mich heutzutage, wenn ich einen alten Renault R4 in gutem Zustand durch Guetersloh fahren sehe, schliesslich war so ein "Kultmobil" mein erstes Auto. Allerdings sind wir Ende der 80er Jahre mal mit einem 44-PS-Kaefer ins damalige Jugoslawien gefahren. Eine absolute Abenteuer-Tour mit einem treuen, vierraedrigen Gefaehrten. Mit den Worten "Dudu macht das schon" kraxelten wir den Wurzenpass hoch und wurden von einem Heissporn im Mercedes waghalsig ueberholt. Ein paar Kurven weiter stand dieser mit dampfendem Kuehler am Strassenrand. :)
Doch zurueck zum konkreten Fall in Berlin. Die beiden erwaehnten Autofreunde betreiben ebenso eine Oldtimer-Vermietung und mit "Berlin Bulli" sogar eine auf VW-Bullis spezialisierte Variante. Dem Artikel ist weiterhin zu entnehmen, dass der Volkswagen-Konzern sich die Worte "Kaefer" und "Bulli" hat schuetzen lassen und rechtlich gegen die Berliner Autovermieter vorgeht…
Mittlerweile sind diese Begriffe doch in den normalen Sprachgebrauch uebergegangen. Auch ein Grosstransporter eines anderen Fabrikats wird gerne mal als "Bulli" bezeichnet. Ein Kommentarschreiber spoettelte sogar, dass die Wolfsburger vergessen haetten, den "MaiKaefer" zu verklagen…
Es ist bedenklich, wenn allgemeingueltige Begriffe ploetzlich als Marken geschuetzt werden. "Windows" beschreibt ja nicht nur das Betriebssystem, sondern auch die stinknormalen Fenster eines Hauses. Doch wenn jemand in den USA seinen Laden z.B. "Werner’s Windows" nennen wuerde, koennte er jederzeit mit einer Klage rechnen. "Apple" lag lange im Clinch mit der gleichnamigen Plattenfirma, bei der u.a. die Aufnahmen der "Beatles" erschienen sind. Aktuell gibt es Probleme mit dem neuen Begriff "iCloud". Der Markenschutz- und Patentwahn geht mittlerweile oftmals viel zu weit. Und warum? Kohle-Kohle-Kohle…