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Fools Garden’s Blogparade

24. März 2009

So, nun sitzt man hier zu naechtlicher Stunde, hat die handsignierte Vinyl-LP "Go And Ask Penny For The Principal Thing" von "Fools Garden" aufgelegt und denkt ueber Narrengaerten, Musikpromotion, Podcasts und so’n Zeugs nach :-)
Natuerlich verbindet mich eine gewisse Sympathie mit dieser Band, deren Frontman Peter Freudenthaler schon im "NormCast" Rede und Antwort stand (siehe "Besonderes") und die sogar schon live hier in Guetersloh aufgetreten ist.
Es sind sympathische, nahbare, wirklich nette Leute, die zudem auch noch verdammt-gute Musik machen, die in qualitativer Hinsicht oftmals weiiiit ueber ihren Ueberhit "Lemon Tree" hinausgeht.
Kein Scherz. Hoert Euch die Alben an, die danach erschienen sind, sie sind der beste Beweis.

Ein "Best Of"-Album ist derzeit in Planung und ebenso rauchen hinter den Kulissen gewaltig die Koepfe. Es geht um Musikpromotion und um die Frage, wie eine Band und deren Umfeld es schaffen kann, eine Akzeptanz jenseits von blossen Web-2.0-Freundschaftsbekundungen zu generieren und das eigentliche Produkt -die Musik- wieder in den Vordergrund zu ruecken. In dieser Situation machen "Fools Garden" das einzig Richtige: Sie fragen ihre Fans, sie wenden sich an Leute, die im Internet aktiv sind und nennen es "Blogparade". Als (meine) Antwort auf die dortigen Fragen soll dieser Beitrag dienen.

Die traditionellen Verbreitungswege fuer neue Musik sind mittlerweile holprig geworden. Viele Abfahrten auf der Datenautobahn offerieren oftmals doch erstaunliche Moeglichkeiten, denn das Internet ermoeglicht viele Dinge jenseits von Plattenbossen und Distributionsrestriktionen (tolles Wort, oder?). Eine Band kann sich eigenstaendig praesentieren und ihre Musik komplett selbst verwalten (lassen). Was in Amerika schon laengst normal ist, duerfte bald auch hier Realitaet werden, wenn die GEMA und aehnlich gelagerte Vereine endlich mal "zu Potte kommen" sollten…

In Amerika gibt es eine sich mittlerweile komplett selbst-organisierende Band namens "Harvey Danger", die ihr Album zwar kostenlos abgegeben hat und die heutzutage manchmal vor "nur" 60 Leuten in kleinen Clubs musiziert, ansonsten aber tatsaechlich auch mal Stadien fuellt und sehr gut davon existieren kann. Sie hatten sogar mal einen amtlichen Smash-Hit

Hier gibt es eine Parallele, denn Fools Garden spielten 2005 in Kaliningrad vor ca. 100.000 Leuten und bei Everding in Herford gerade mal vor wenigen hundert. Aber auch die sind was wert. Live-Konzerte sind heutzutage sicherlich viel wichtiger als frueher. Somit foerdert die neue Medienwelt paradoxerweise auch die Naehe der Kuenstler zum Publikum, das sich eben nicht nur zuhause verkriecht, CDs raubkopiert oder herunterlaedt, YouTube-Videos durchklickt und Freundesanfragen in einschlaegigen Portalen verschickt. Eine gute Band lockt die Leute nach wie vor auch vor die Tuer. Und eine gute CD wird nach wie vor auch gekauft oder als "Premium-Download" in hoher Qualitaet geordert, denn DRM-verseuchte 128kbps-Dateien reichen echten Fans nunmal nicht (und das ist auch gut so!).

Eine Best-of-CD sollte meiner Meinung nach die Hits chronologisch (!) und in den originalen Single-Versionen beinhalten. Eine Bonus-CD koennte mit raren B-Seiten und/oder Live-Aufnahmen gefuellt werden. Das haben U2 beispielsweise mit ihren beiden Best-Of-Alben bewiesen. Hier liegt also ein weiterer Weg: Mehrwert generieren. Standard kann jeder und der muss auch sein. Aber eine "Bonus-CD" bzw. ein "Bonus-Download" kann Wunder bewirken. Auch temporaere Gratis-Downloads wecken Interesse. Coldplay, die Toten Hosen, Madonna und die Sportfreunde Stiller haben Letzteres eindrucksvoll vorgemacht. Eine schoen gemachte, "richtige" CD ggf. mit Bonusinhalten findet sicherlich nach wie vor auch noch ihre Abnehmer. Und wenn sie nur zum "Rippen" in die heimische Daten-Jukebox und zum anschliessendem Herumstehen im Regal herhalten muss…

Plattformen wie "MySpace" sind eine gute Sache. Wenn man mal die grottige Programmierung, die inflationaere Werbung und das ebenso grottige "Design" von "MySpace.com" ignoriert, dann bleibt der virale Effekt, den das Portal bietet. Virtuelle "Freundschaften" wirken oftmals Wunder und gerade im Falle von "MySpace" fuehlen sich die Leute den Bands oftmals etwas "naeher", da sie zumindest ein direkteres Feedback bekommen als wie frueher durch die mehr oder weniger anonyme "Hat-Es-Dir-Gefallen-Antwortpostkarte" an die XYZ Marketing GmbH, die vom CD-Booklet abgetrennt und per Post verschickt werden konnte. Nahbarkeit ist trumpf. Und MySpace vermittelt zumindest die Illusion davon…

Im Zuge der Aktivitaeten rund um unsere "Podparade" habe ich vielen Bands immer wieder gesagt: "Opfert" wenigstens einen oder zwei Songs pro Album und gewaehrt den Podcastern das Spielen derselben in voller Laenge. Egal, ob ein Podcast technisch einen "Download" darstellt oder nicht. Ein guter Song verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Vor allen Dingen dann, wenn er gratis zu haben ist. Auch "Ottonormaluser" freuen sich ueber einen vollstaendigen Song, geben ihn weiter, spielen ihn auf Partys, usw. Diese Investition seitens der Urheber kann sich daher durchaus lohnen.

Der hervorragende Song "Mine Again" von "Black Lab" zeigte es beispielhaft im Rahmen der Aktion "Bum Rush The Charts", was moeglich ist. "Was ist haerter?" fragten "Jammin*INC" aus Braunschweig, landeten damit einen echten "Online-Hit" und spielten daraufhin beim "Chiemsee Reggae Summer". "Paralyzed", eine ehemalige Nr.1 in der "Podparade" von der Band "Rock Kills Kid", verhalf der bis dato unbekannten Band zu einem Plattenvertrag bei einem Major Label. Die "Arctic Monkeys" stellten eine EP zum freien Download ins Netz, es wurde rauf und runter gespielt, "geshared" und in Podcasts genudelt. Der Rest ist Geschichte, mittlerweile sind sie eine erfolgreiche, britische Band, deren Album "Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not" sogar Oasis ueberholte und deren Folgealbum "Favorite Worst Nightmare" allein in der Debut-Woche 250.000 mal ueber die Ladentische gegangen ist. Ueber die "richtigen" und ueber die virtuellen…

Es gibt also viele Moeglichkeiten. Heutzutage mehr denn je. Man sollte als Band trotzdem nicht auf allen Web 2.0-Hochzeiten tanzen und darueber hinaus im richtigen Leben nahbar sein. Doch die internetten Plattformen, die letztendlich ausgesucht wurden, sollten dann auch konsequent bedient und genutzt werden.

Amazon, MySpace, Last.FM und die einschlaegigen, grossen MP3-Downloadportale sind da sicherlich erste Wahl. "Twitter" ist auch nicht zu verachten. Auch hier sind "Coldplay" wieder ganz vorne mit dabei und es ist schon nett, wenn einer der Bandmitglieder dort ein gerade eben selbstgeschossenes Handyfoto vom Saenger der "Killers" bei einem gemeinsamen Konzert noch waehrend der Veranstaltung verlinkt. Die Band laesst ihr Publikum also mehr oder weniger direkt teilhaben und versteckt sich nicht hinter kunstvoll-aufbereiteten Webpraesentationen. Das Publikum dankt es ihnen, denn in den wenigen Wochen, in denen Coldplay erst bei Twitter aktiv sind, ist ihre virtuelle Verfolgerschar schon auf mehr als eindrucksvolle 300.000 Leute und Leutinnen angewachsen…

Hauptsache ist, dass die Musik den / die Hoerer erreicht. Das Medium an sich ist zweitrangig, wenn auch nicht unbedeutend. Ich sag’s mit Captain Picard: "Make it so!" :-)

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