Herzlichen Glueckwunsch!

16. Mai 2010 Kommentare ausgeschaltet

Der Titel des neuen Werkes von Paul Vincent ist in Bezug auf die darin besungenen Inhalte vielseitig interpretierbar.
Auf knapp fuenfzig Minuten Albumlaenge praesentiert er Sarkastisches, Humorvolles, Nachdenkliches, Erdiges und auch Instrumentales fuer die bluesrockfreudigen Gehoergaenge…

Paul Vincent wirkte schon fuer das Lindenberg’sche "Panikorchester", musizierte mit Peter Maffay, Freddie Mercury, Eric Burdon, Sting und weiteren, bekannten Leuten, hat einen Musikverlag, schreibt und pflegt diverse Bandprojekte. Er komponierte Fernseh-Soundtracks und gewann dafuer auch schon den deutschen Fernsehpreis.

Sein Aeusseres laesst eigentlich eine sonore, tiefere Stimme vermuten, doch gleich beim Auftaktstueck des Albums "Herzlichen Glueckwunsch" wurden hier spontane Parallelen zum Tonfall eines Wigald Boning gezogen. "Schlechte Zeiten" ist ein beschwingt-ironischer Arschtritt fuer den Mann. Ueberhaupt zieht sich das Thema Mann gegen Frau bzw. Mann ohne Frau oder auch Mann und Frau generell durch einen Grossteil der CD. Doch gleich mit dem zweiten Lied zeigt Vincent, wo der musikalische Hammer haengt: Ein Auftakt in bester Gary-Moore-Manier weist den Weg in Richtung Blues-Rock. Denn der Mann hat den Blues, sowohl musikalisch als auch textlich bei "Sieben Tage Lang", worin er letztendlich aufgrund des Unvermoegens, sich zu artikulieren, allein zurueckbleibt.

Im Gegensatz dazu ist Song Nr.3 ("Hand in Hand") eher eine Hymne an die Gemeinsamkeit, die sich allerdings auch aufgrund der Tatsache, dass sie gleich mit dem Refrain beginnt, subjektiv empfunden etwas zu frueh verraet und sich auf Dauer trotz wohlplatzierter Streicherelemente doch abnutzt.
Da ist es gut, dass gleich danach ein Instrumentalklassiker folgt, den viele Fernsehserienfreunde noch aus alten Zeiten kennen duerften: Das neu-eingespielte Thema der kultigen Truckerserie "Auf Achse" ("Franz Meersdonk – Guenter Willers – und ihre Maschinen…"). Es stammt ebenfalls aus Paul Vincent’s Feder und diese XXL-Version kommt deutlichst rockiger und laenger, aber auch etwas langsamer daher als das Original. Exzellent gespielt, absolut session-tauglich und mit hohem Retro-Charakter.
Interessant ist, dass in den ersten Folgen der Serie immer Elton John als Titelmelodielieferant angegeben wurde, was erst spaeter in "Paul Vincent Gunia", so sein vollstaendiger Name, korrigiert wurde….

Erst an fuenfter Stelle folgt der Titelsong des Albums. Ebenfalls im Blues-Rock-Gewand, bietet er einen inhaltlich nicht unbedingt abgeschlossenen Text, der Raum fuer Interpretationen offeriert. Der sich anschliessende "Hausmann-Blues" hinterlaesst ihn einmal mehr mit eben diesem, natuerlich wegen ihr. Etwas schneller kommt "Schreck o Schreck" daher. Auch hier erwartet den Erzaehlenden wieder ein Rueckschlag, diesmal finanzieller Art.

"Manta Sally" – Der Name dieses sich anschliessenden Instrumentalstuecks mit dominierender E-Gitarre duerfte wohl vom spaetestens seit Wilson Pickett oder den "Commitments" bekannten "Mustang Sally" abgeleitet sein und eine Art musikalische Verschnaufpause darstellen, denn danach geht’s wieder zur Sache:
"Die Welt ist doch ein Irrenhaus und taeglich bricht der Wahnsinn aus" heisst es unter anderem bei "Nein, ich reg' mich nicht mehr auf", dem neunten Lied auf der CD. Auch hier instrumentiert er den Blues fuer seine Gemuetsverfassung. Kontraer-eingeflochtene Melodiemotive unterstreichen den Groll, den der Autor zu hegen scheint. Das reimt sich nicht immer, aber es dichtet :-)

Wer die Platte nur nebenbei hoert, koennte "Der Teufelspakt" und den zuvor abgelaufenen Song durchaus als Einheit verstehen, zu fliessend ist der Uebergang. Textlich interpretiert der Schreiber dieser Zeilen das Lied als eine Abrechnung mit den illusorischen Versprechungen rund ums Musikbusiness.

Rock’n’Roll, der macht dich reich – unsterblich und den Goettern gleich.
Sei Legende, sei ein Star, Dein Wunsch, der macht das Wunder wahr.
Ich gebe dir, was du begehrst, wenn du auf mein Kommando hoerst"

Noch Fragen?

Was folgt, ist vertonter Wehmut in Nicht-Moll inklusive Mitklatschfaktor:"Die Blumenkinder sind in Rente". Da passt die spiritistisch-akustisch angehauchte Instrumentalballade "Jenseits des Ganges" durchaus gut ins abschliessende Bild, denn diese haetten die im vorangegangenen Song beschriebenen Hippies nach dem Genuss der dort zitierten Pillen, die alles so schoen bunt machten, auch so hoeren koennen…
Es ist ein netter, letztendlich harmonisierender Abschluss des Albums.

Ein ultimativer Meilenstein des Deutschrocks ist "Herzlichen Glueckwunsch" nicht unbedingt, doch es besticht durch grosszuegige Instrumentierung (unter anderem wirkten die Muenchener Symphoniker mit), nachvollziehbare Texte und grundsolider Spielfreude, die vor allem den Freunden des Blues-Rocks entgegenkommen duerfte. Auch Live aufgefuehrt duerfte das bestens funktionieren…

KategorienMusik

UnTreibige Hart-Ware

12. Mai 2010 Kommentare ausgeschaltet

Windows 7 stellt in vielerlei Hinsicht einen Bruch mit vorherigen Windows-Versionen dar. In der 64-Bit-Variante sogar noch extremer. Beim Kauf eines derzeit aktuellen Windows-Rechners mit mehr als vier Gigabyte RAM wird in den allermeisten Faellen schon das 64-Bit-System aufgespielt oder beigeliefert, damit unter anderem der ueppige Speicher auch zur Geltung kommen kann, denn 32-Bit-Versionen von Windows 7 lassen jeglichen vorhandenen Speicher jenseits dieser 4-Gigabyte-Grenze unberuehrt und unbenutzt, da sie diesen nicht verwalten koennen. Das gilt natuerlich auch fuer die Vorgaengersysteme wie beispielsweise Windows XP oder Windows 2000.

Doch auch dann, wenn ein aktueller 64-Bit-Rechner vorhanden und vollstaendig installiert ist, kann es nachtraeglichen Aerger geben. Eventuell vorhandene, aeltere, externe Peripheriegeraete, die beispielsweise ueber den USB-Bus Anschluss finden und die unter einem 32-Bit-Vorgaenger noch einwandfrei funktionierten, verweigern innerhalb der neuen Umgebung ihren Dienst. Das System erkennt sie einfach nicht richtig. An dieser Stelle haette eine Art "Treiber-Kompatibilitaetsmodus" zumindest der Benutzerfreundlichkeit gut getan. Doch Microsoft besteht auf die Verifizierung der Signatur jedes einzelnen Treibers, die von den Herstellern von "Fremdhardware" auch ordentlich bezahlt werden muss. Auf der einen Seite ist das okay und traegt zur Stabilisierung des Systems bei, indem es einen "Wildwuchs" von schlecht programmierten Treibern unterbindet. Andererseits schauen diejenigen in die Roehre, die noch externe Hardware aus XP-Zeiten in Gebrauch haben. Drucker, Scanner, Kameras… alles kann betroffen sein.

Hier funktionieren ein USB-zu-Seriell-Adapter des Typs "CH341" (wird z.B. zur Anbindung des TS-2000-Funkgeraetes gebraucht) und ein Bontempi PM747 Keyboard (von dem lediglich die Klaviatur als Eingabe fuer Musiksoftware gebraucht wird) derzeit noch (!) nicht unter Windows7 / 64Bit, da die betreffenden Herstellerfirmen bisher zwar Treiber fuer Vista und Windows7 zur Verfuegung stellen, aber eben leider nur fuer die 32-Bit-Varianten. Hoffentlich wird an dieser Stelle in absehbarer Zeit nachgebessert bzw. nachgeliefert…

Es erinnert an die Zeit, zu der von 16- auf 32 Bit umgeschwenkt wurde. Damals gab es aehnliche Probleme, die sich mit der Zeit relativierten. "Der fruehe Vogel faengt den Wurm", heisst es so schoen, aber diejenigen, die viele Hardwarekomponenten benutzen, deren Kompatibilitaet zu einem (unter dem Strich im Normalfall schnelleren) 64-Bit-System fraglich ist, sollten diese Geraetschaften entweder in Rente schicken oder noch warten, bis sich die "groesseren" Rechner durchgesetzt haben, denn spaetestens dann kommen die Hersteller nicht um die Bereitstellung der entsprechenden Treiber herum. Und das ist gut so.

Update:
Kurz nach der Freischaltung dieses Artikels kam eine Email der Firma "Bontempi" hier an. Sie bezieht sich auf eine entsprechende Anfrage, die gestern von hier aus abgeschickt wurde. Zitat:

(…) auf unserer Internetseite, stellen wir Ihnen kostenlos den Treiber für
Windows 7 (32 Bit) zur Verfügung.
Den Treiber mit 64 Bit werden wir in den nächsten Wochen zum kostenlosen
Download auf unserer Internetseite zur Verfügung stellen.
Leider müssen wir solange warten, bis uns dieser von Microsoft zur Verfügung
gestellt wird.(…)

Sehr loeblich :-)

Update vom 22.06.2010:
Der Windows 7 / 64-Bit-Treiber ist jetzt auf der Bontempi-Seite vorhanden: Link

KategorienComputerkram

Schneckenpost aus China

10. Mai 2010 Kommentare ausgeschaltet

"Das ist eine Frechheit! Mein Mann ist seit sieben Jahren tot…" Diese Worte stammen von einer aelteren Witwe aus Guetersloh, die es nicht fassen konnte, dass ihr bereits verstorbener Mann kuerzlich Post bekam. Des Raetsels Loesung ist aber voellig undramatisch und die gute Frau haette es wahrscheinlich nicht so kommentiert, wenn sie die Hintergruende gekannt haette…

Ihr Mann war unter anderem begeisterter Kurzwellenhoerer ("SWL" = ShortWaveListener), der sich mit seinen "Grundig Satellit"-Empfaengern gerne auf den Frequenzen tummelte. Zudem konnte er morsen und eines Tages kam er mit einem handgeschriebenen Zettel zu mir. Darauf war eine einwandfreie Mitschrift eines Morsepruches zu lesen, nur konnte der SWL die Abkuerzungen nicht ausdeuten, weshalb er mich um eine Uebersetzung bat.

Solche Mitschriften und/oder Protokolle senden viele "Lauscher" dann an die entsprechenden (Radio-) Stationen in der Hoffnung, von diesen daraufhin eine schoene Empfangsbestaetigungskarte zu erhalten. Auch im Amateurfunkbereich sind "QSL-Karten" beliebt. Vor allen Dingen dann, wenn ein ungewoehnliches, in irgendeiner Art und Weise besonderes Funkgespraech stattgefunden hat, schickt man sich gerne gegenseitig diese oftmals phantasievoll gestalteten Motivkarten, die unter anderem auch die technischen Daten der jeweiligen Station enthalten. Dieser Vorgang erfolgt entweder auf dem direkten Postweg (dann meistens unter Beilegung von US-Dollar-Noten, um die Portokosten auszugleichen) oder auf dem "traditionellen" Weg, der wiederum ungefaehr so funktioniert:

Ein Funkamateur speichert die Daten, verarbeitet sie aber nicht immer sofort weiter. Bis zum Ausfuellen der Karten vergeht unter Umstaenden schon einige Zeit. Spaeter gibt er diese Karten meistens beim monatlichen Vereinstreffen an den sogenannten "QSL-Manager" weiter. Der sortiert sie und leitet sie gebuendelt an die deutsche Zentralstelle des DARC in Baunatal bei Kassel. Von dort aus gehen sie weiter in alle Welt. Am Zielort angekommen, koennen die Karten aber nicht sofort an die jeweiligen Adressaten weitergeleitet werden. Das passiert daher auch erst dann, wenn diese sich beispielsweise auf dem dortigen Vereinstreffen blicken lassen. Somit koennen von der eigentlichen Aussendung ausgehend schonmal Jahre (!) vergehen, bis dass die zugehoerigen QSL-Karten ihre Ziele erreichen…

Nach Verdeutlichung dieses Sachverhaltes war die Witwe schnell besaenftigt, denn sie kann sich nun sozusagen ueber ein posthumes "Lebenszeichen" ihres Mannes freuen.
Die betreffende QSL-Karte kam von "Radio China International" anlaesslich des fuenfzigjaehrigen Bestehens der deutschen Redaktion des Senders.

Es soll an dieser Stelle nicht verheimlicht werden, dass es mittlerweile sogenannte "E-QSL-Karten" gibt, die online abgerufen werden koennen und die oftmals schon wenige Minuten nach Beendigung der entsprechenden Funkverbindung beidseitig verfuegbar sind. Doch das ist nach Meinung vieler Funkamateure "irgendwie nicht dasselbe". Daher heisst es bei vielen nach wie vor : "QSL via bureau", was den oben beschriebenen, traditionellen Weg beschreibt…

KategorienAmateurfunk

Das 80er-Jahre-Super-Star-Spiel

8. Mai 2010 Kommentare ausgeschaltet

Dies ist nach langer Zeit mal wieder ein kleiner Beitrag aus der Reihe "Fundstuecke".
In einem alten Spielekoffer lag dieses Kleinod aus den 80er-Jahren: Das "Super-Star-Spiel" :
(auf Mausklick wird’s groesser…)

Die Spielanleitung:

Das SUPER-STAR-SPIEL macht am meisten Spass, wenn man zu mehreren ist. Sinn des Spiels ist es, mit moeglichst viel Glueck und moeglichst schnell ans Ziel zu kommen. Der Sieger ist dann jeweils der amtierende Superstar. Ihr benoetigt dazu nur Steine und einen Wuerfel. Es wird reihum gewuerfelt. Die groesseren Ereignisfelder geben Euch entweder einen Gluecks-Push oder koennen auch ein Handicap bedeuten. Wichtig: Die beiden Ereignisfelder, die sich auf einen nachfolgenden Spieler beziehen, sind bedeutungslos, wenn der Betreffende selbst der letzte Spieler ist.

Quelle: Rueckseite dieses Spiels aus irgendeiner steinalten "Popcorn"-Zeitschrift aus den 80ern

Na denn… Viel Spass am Wochenende :-)

KategorienDiverses, Musik

Das Parkbad in Guetersloh

6. Mai 2010 Kommentare ausgeschaltet

Die Erinnerung an den normalen Badebetrieb im Parkbad zu Guetersloh ist mittlerweile dunkel, aber noch da. Es ist ungefaehr 90 Jahre alt und darf daher getrost als "Relikt aus alter Zeit" bezeichnet werden. Offiziell ist das Traditions-Freibad seit 1991 nicht mehr im eigentlichen Sinne in Betrieb, doch wurde das Becken auf wenige Zentimeter Wassertiefe "angehoben" und ist zumindest als Wassertretbecken noch zu gebrauchen. Das alte, angrenzende Gebaeude ist saniert und noch immer vorhanden. Es gibt eine Gastronomie und am vergangenen, ersten Mai war das denkmalgeschuetzte Parkbad wieder Schauplatz eines netten Tages bei bestem Wetter. Wir haben uns am ersten Mai umrahmt von den auf dem Wasser fahrenden Modellschiffen des Modellbauvereins "Nautilus" sowie bei einem frisch gezapften Bier und Bratwuerstchen dort sehr wohl gefuehlt. An dieser Stelle soll mit diesen Zeilen nur mal eine Empfehlung ausgesprochen werden, diese altehrwuerdige Einrichtung zu besuchen, denn es ist schoen, dass trotz der notwendigen Veraenderungen am und im Parkbad die eigentliche Substanz noch so klar erkennbar ist… Mehr zum Thema auf der Parkbad – Webseite

KategorienLokales