NormCast 138

22. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Vor 25 Jahren starteten mit PKS (spaeter SAT1) und RTL Plus die ersten beiden, frei empfangbaren Privatfernsehsender in Deutschland. Wir lassen dieses und die Zeit danach in Wort und Ton Revue passieren. Zudem Live-Impressionen, sommerliche Musik, Filmnotizen und rappende Flugbegleiter.

Kostenloser MP3 Direkt Download : NormCast Episode 138 vom 22.05.2009

Links:
Medienforum NRW
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Sendestart der PKS (SAT1) 1984
Sendestart RTL Plus 1984
Sketch aus der "Wochenshow"
SAT1-Ident-Logo von 1985
Die Band "7ieben"
Coldplay’s Live-Album zum freien Download
James – Sit Down (Live!)
Post von Ursula Von Der Leyen bei Spreeblick
Hancock – Film mit Will Smith
James Bond 007 – Ein Quantum Trost
Star Trek 11
Der rappende Flugbegleiter

Musik:
Dannel Vonn DillonHead Trip

Korrektur: Es muss heissen: Wer alle im Jahr 2008 ausgestrahlten (nicht "produzierten") Werbespots hintereinander sehen will, der muss dafuer drei Jahre am Stueck vor dem Fernseher sitzen.

KategorienNormCast

Strip-Flop

18. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Alex sings, Oscar swings, oder war’s andersrum? Egal. Der "Eurovision Song Contest 2009" in Moskau verlief mal wieder desastroes fuer Deutschland. Oskar Loya und "U96"-Alex Christensen konnten ihre "Miss Kiss Kiss Bang" lediglich auf Platz 20 des Sangeswettbewerbes platzieren.

Einen Trost haben sie allerdings: Selbst der Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel haette es zumindest diesmal nicht unbedingt besser gemacht, denn der war mit seinem fuer Montenegro produzierten Beitrag schon vorab 'rausgeflogen…

An dieser Stelle sei mal unterstellt, dass Alex und Oscar vielleicht schon vor dem Finale ihre Felle haben schwimmen sehen, denn wie ist es sonst zu erklaeren, dass die Bourlesque-Stripperin Dita Von Teese sozusagen "nachnominiert" wurde, um dem Auftritt in Moskau eine erotische Note zu geben? War nicht genuegend Vertrauen in den Song da? Letztendlich war die gute Dita nur fuer ein paar wenige Sekunden zu sehen und es darf daran gezweifelt werden, ob es ihr zu verdanken ist, dass der deutsche Beitrag nicht ganz hinten landete.

Das es auch anders geht, zeigten beispielsweise die recht erfolgreichen Beitraege aus Estland, Frankreich oder Island. Da stand jeweils eine Saengerin auf der Buehne und ueberzeugte durch Ausstrahlung und Stimme. Keine Flammenwerfer oder Turngeraete mit Tabledance-Option in nuttigen Stiefeln, sondern Abendkleider und begleitende Cellistinnen hatten diesmal die Nase vorn.

Der Siegerbeitrag aus Norwegen profitierte sicherlich vom bubihaften Aussehen des Alexander Rybak, trotzte aber allen anderen, da er aus fast jedem Land wenigstens 8 Punkte bekam, meistens sogar die volle Punktzahl von 12 Punkten. Ein nett arrangiertes, selbstgeschriebenes (!) Lied hat es letztendlich allen gezeigt. Man koennte also fast denken, dass die Musik wieder mehr in den Vordergrund gerueckt sei. Schoen waer’s…

Trotz allem gab es wieder die beruehmte Punkteschacherei unter gewissen Nachbarstaaten und viele Punkte fuer die Tuerkei aus Deutschland. Im Gegenzug kam ein Puenktchen aus Ankara…
Griechenland haette auch die beruehmte "singende Parkuhr" auf die Buehne stellen koennen und haette dafuer noch 12 Punkte aus Zypern bekommen. Die Regelaenderungen waren also doch nur irgendwie halbherzig…

Eine jeweilige Laenderjury sollte ihr Urteil jeweils mit in die Waagschale werfen. Auf deutscher Seite waren das unter anderem Jeanette Biedermann und H.P. Baxxter (Frontman von "Scooter") nebst der einzigen "Genre-Kapazitaet" : Guildo Horn. Das moegen ja alles liebe, nette Leute sein, aber es verwundert an dieser Stelle kaum, dass etablierte Kuenstler sich nicht berufen fuehlen, fuer Deutschland in den Musikring zu steigen. Ein Westernhagen und/oder andere, einschlaegige Kandidaten haben es bei einer nationalen Vorentscheidung sicherlich nicht noetig, vom Urteil eines "Hyper Hyper"-Saengers und einem Seifenopernstar (oder beim eigentlichen Wettbewerb von deren etwaigen Pendants in den anderen Laendern) abhaengig zu sein. Sorry, ist nicht persoenlich gemeint, aber so ist es nunmal…

In den letzten Jahren hat es aus deutscher Sicht fast nur einer geschafft, beim Eurovision Song Contest akzeptable Platzierungen zu erzielen: Stefan Raab. Er selbst landete unter den ersten Zehn, seine beiden weiteren Songs fuer Guildo Horn und Max Mutzke ebenfalls. Und nun soll er es -wenn man der Geruechtekueche glauben schenken darf- richten. Die ARD plant in punkto ESC 2010 angeblich eine Zusammenarbeit mit ProSieben. Der "Stern" deutet daraus, dass die ARD mit ihrem Latein am Ende ist und Pro7 aufgrund der erfolgreichen, Raab’schen Konkurrenzveranstaltung "Bundesvision Song Contest" wertvolle Schuetzenhilfe leisten koenne.

Das koennte sogar klappen. Erstmal. Aber eines wird auch Stefan Raab nicht aendern koennen: Die Punkteschacherei unter "Freunden". Es sei denn, dass Deutschland als einer der groessten Geldgeber fuer diese Veranstaltung seinen Einfluss entsprechend geltend macht. So oder so.

Ein leicht positives Resumée kann in diesem Jahr aber doch gezogen werden: Der norwegische Beitrag hat es geschafft, fast europaweit Anklang zu finden. Das beweist, dass letztendlich die Musik die Sache nach wie vor entscheiden kann – wenn man sie laesst…

Update:
Stefan Raab hat der ARD mittlerweile u.a. aufgrund deren "komplizierter Entscheidungswege" eine Absage erteilt. Nun soll’s der Bohlen holen. Ohauerha… Vielleicht coached Heidi Klum dann zusaetzlich "The Next Eurovision Top Model" :-)

KategorienMusik

Bilder einer Szene

17. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Wie sieht eine sogenannte "Szene" aus und wie wiederum die Menschen, die diese praegen?
Diese Frage versuchte der Konzeptkuenstler Manfred Jung im Rahmen der Guetersloher "Langen Nacht der Kunst" am 16.Mai 2009 zu beantworten und waehlte als Motto die hiesige Musikszene.

Aus diesem Anlass hat er in der juengeren Vergangenheit diverse, meistenteils einschlaegig bekannte Musiker/innen aus Guetersloh und Umgebung aufgesucht und mit bzw. von ihnen Fotos gemacht, die sie in besonderen Situationen, aber auch in ihrer haeuslichen Umgebung zeigen. Die jeweiligen Instrumente selbst spielten dabei natuerlich auch eine Rolle und viele der im Gebaeude der "Stadtstiftung" am alten Kirchplatz ausgestellten Bilder wiesen demzufolge einige Besonderheiten auf.

Dabei zeigte Manfred Jung in seiner Ausstellung eine ordentliche Bandbreite. Einige der abgelichteten Musiker, wie z.B. Andreas Gruenert, Gerry Spooner, Michael Van Merwyk, Roger Clarke-Johnson und Phil Shackleton musizierten waehrend der Ausstellung sozusagen begleitend im Nebenraum. Im Hinterhof der Veranstaltung wurden Grillwuerstchen gereicht, so dass diese Anlaufstelle im Rahmen der schon obligatorischen Kunstnacht sicherlich eine recht Attraktive gewesen ist…

KategorienLokales

Today is Coldplay-Day!

15. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Die Band Coldplay bietet ein komplettes Live-Album namens "LeftRightLeftRightLeft" zum Download an. Die MP3-Files sind mit 192 kbp/s codiert. Es lohnt sich wirklich. Allein schon die Live-Version von "Viva La Vida" ist nicht zuletzt aufgrund der Atmosphaere ein Hoergenuss. Die 9 Songs sind ein "thank you to all our fans", schreiben sie und in der Tat sind diese Fans in letzter Zeit stark gefordert gewesen, denn Coldplay waren und sind fuer mittlerweile nahezu unzaehlige Awards nominiert und sehr haeufig wurden die Fans via Twitter dazu aufgerufen, fuer die Band zu stimmen. Und da laesst sich die Band gluecklicherweise nicht lumpen :) Wer auf der Webseite (s)eine Email-Adresse angibt, bekommt die Zip-Datei umgehend zugestellt (nicht in das Email-Postfach, der Download startet direkt).

Well done and thank you, Coldplay! This is the right way to use the internet!

KategorienMusik

Star Trek XI

14. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Achtung: Der folgende Beitrag enthaelt "Spoiler". Wer den Film bisher noch nicht gesehen hat, dieses aber noch nachzuholen gedenkt, moege die Lektuere der folgenden Worte bitte verschieben :-)

Zunaechst sollte dieser Beitrag den Titel "Ein grosses Geschenk" tragen, denn das ist dieser Film: Ein grosses Geschenk an diejenigen, die Star Trek lieben, an diejenigen, die es erschaffen und bisher geformt haben und an diejenigen, die schon seit unzaehligen Fernsehfolgen der verschiedenen Serienableger einen Einstieg in das sogenannte Star-Trek-Universum suchen.

Es ist schlichtweg atemberaubend und unglaublich, wie dieser Film diese Gratwanderung hinbekommt, fuer Neuankoemmlinge und fuer "alte Hasen" gleichermassen interessant zu sein, daher ein grosses Lob an J.J. Abrams, den Regisseur des Films. Hier wurde sich die Freiheit genommen, bekannte und sogar legendaere Dinge aus der Star Trek-Saga abzuaendern (die Geschichte sozusagen neu zu schreiben) und es wurde gleichzeitig dem Bisherigen gehoerigen Respekt gezollt, was sich vor allem in der sorgfaeltigen Nuancierung der Hauptcharaktere wiederspiegelt.

Der erste Fernsehkuss zwischen einer Schwarzen und einem Weissen fand demnach nach wie vor zwischen Kirk und Uhura in der Ur-Folge "Platon’s Stiefkinder" aus dem Jahr 1968 statt, innerhalb der hier nun gezeigten Zeitlinie kuessten sich Spock und Uhura – diesmal aber in 16:9 :)

Jetzt wissen wir auch, was aus Admiral (!) Archer’s Beagle wurde, denn er wurde bei einem von Scotty’s fruehen Beam-Experimenten -vorsichtig ausgedrueckt- veraendert. Wir erfahren, wie Captain Christopher Pike (aus dem Ur-Pilotfilm "Der Kaefig" und der daraus resultierenden, spaeteren Doppelfolge "Talos IV-Tabu") in den Rollstuhl kam und sehen Sulu’s ersten, klaeglichen Startversuch.

Chekov ist ein siebzehnjaehriger Jungspund, den der Bordcomputer aufgrund seines speziellen Akzents zunaechst nicht versteht. Und dann ist da noch – Uhura, gespielt von Zoe Saldana. Gerade in den Nahaufnahmen ihres Gesichts sieht der geneigte Kinobesucher, mit welcher Sorgfalt die Schauspieler ausgesucht worden sind, denn die Aehnlichkeit zum juengeren Original ist absolut gegeben. Ihre weiteren, auch koerperlichen Attribute sprechen natuerlich ebenfalls fuer sich…

Der spaetere Captain Kirk wurde also nicht (wie z.B. in "Star Trek IV – Zurueck in die Gegenwart" erwaehnt) in Iowa geboren, sondern auf einem Raumschiff, waehrend sein Vater sich mutig dem Feind entgegen stellt und letztendlich mit dem Leben dafuer bezahlt. Der Film zeigt den jungen Kirk zunaechst als Sauf- und Raufbold, doch ziemlich schnell schimmert das, was ihn spaeter ausmachen sollte, schon durch. Hier ist allerdings ein Schwachpunkt des Films zu vermerken: Die "Karriere" des Kadetts Kirk, der binnen einer einzigen Mission zum ersten Offizier und letztendlich zum Captain aufsteigt, ist ziemlich unglaubwuerdig, auch wenn sie einer situationsgebundenen Logik nicht entbehrt.

Der junge Spock wirkt sehr authentisch, wenn er auch manchmal zu schielen scheint. Im Film trifft er in einer Szene auf sein aelteres Ich (gespielt vom "Original" Leonard Nimoy). Diese Szene war okay, haette aber durchaus noch etwas tiefer gehen koennen. Zuvor rettet Spock mit einem ziemlich zappeligen Raumvehikel die Enterprise.

Die wiederum rettet die Welt. Mal wieder. Oder erstmalig? Wie auch immer. Zugegeben, die Story ist nicht die ausgefeilteste schlechthin, eigentlich ist sie sogar ziemlich simpel, aber die Umsetzung bestimmt hier den Spass- und Spannungsfaktor. Es knallt und blitzt und generell rappelt es gehoerig im Karton – natuerlich in Dolby Surround…

Ein weiterer, kleiner Schwachpunkt ist (und das ist wohlmoeglich der deutschen Synchronisation anzulasten) Montgomery Scott alias "Scotty". Die Gesichtszuege der jungen Vorlage sind sehr gut getroffen, hier wirkten seine Dialoge meistenteils aber doch eher aufgesetzt und manchmal sogar richtig "platt". Zudem ist der "Maschinenraum" (eher eine Maschinenhalle) viel zu gross, als dass man ihn wie in der Urserie als Scotty’s Reich bezeichnen koennte. James Doohan, der originale Mr. Scott, hatte einen schottischen Akzenteinschlag, mit dem im Original immer wieder kokettiert wurde. Dieses Element fehlt zumindest hier in der deutschen Fassung gaenzlich und laesst Scotty etwas farblos erscheinen.

A-pro-pos "farblos": Wer kommt waehrend einer der ersten, gezeigten Aussenmissionen gleich ums Leben? Natuerlich, der Typ im roten Anzug :) Wie fast immer. Damals….

Es gibt sogar Sequenzen in diesem Film (vornehmlich im ersten Drittel), in denen komplette Dialogsequenzen aus der Ur-Serie so woertlich und passend in den Gesamtkontext eingebaut wurden, dass es den "Wissenden" maechtig amuesiert und den "Unwissenden" zumindest schmunzeln laesst.

Ich koennte jetzt noch stundenlang ueber diesen Film schreiben, moechte aber natuerlich nicht alles kommentieren und somit verraten. Nur soviel noch:

Das Raumschiff Enterprise selbst ist das Symbol fuer die Gratwanderung, die dieser Film bravoroes meistert: Man erkennt sie trotz ihres zeitgemaessen, aeusseren Feinschliffs sofort wieder und freundet sich mit ihr an, wenn auch die Bruecke selbst ein wenig zu hell und unbunt (was nicht "farblos" heissen soll) geraten ist.

Waehrend des ersten Teils des Abspanns blieben alle (!) Kinobesucher sitzen. Eine schoene, flotte, orchestrale Version des Original-Fernsehthemas von Alexander Courage schlug zum einen die Bruecke zur "Zukunft" (bzw. zur nostalgischen Fernsehvergangenheit), die hier im Kontext die alte Ur-Fernsehserie ist und zum anderen liess die Musik und ihre visuelle Umsetzung die Leute nicht los.

Den Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen.


Alles in allem: Ein Meisterwerk mit minimalen Schwaechen, dem man jeden Dollar des hohen Budgets anmerkt und welches ein grosses Fortsetzungspotential in sich birgt.

KategorienMedien