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Archiv für die Kategorie ‘Musik’

U2 – Licht am Horizont

4. März 2009 Kommentare ausgeschaltet

"No Line On The Horizon" heisst das neue Werk der irischen Kultband U2. Ich bin zugegebenermassen voreingenommen, denn es ist nach wie vor meine Lieblingsband. Selbst alle "Zooropa" und "Pop"-Alben haben ihnen diesen Status nicht nehmen koennen. Das sind auch keine schlechten Platten, sie waren aus Sicht derjenigen, die "The Joshua Tree" fuer das bestes U2-Album aller Zeiten halten, lediglich in der falschen Zeit entstanden. Im Nachhinein kann aber gesagt werden, dass viele Elemente aus der U2-Experimentierphase Fruechte getragen haben, da unzaehlige Bands von diesen Stroemungen beeinflusst wurden…

"How To Dismantle An Atomic Bomb", das ab sofort zweitjuengste Album der Band, war dann im Jahre 2004 (Donnerwetter, ist das schon wieder 5 -in Worten- FUENF Jahre her?) aber wieder Balsam fuer diejenigen, fuer die die richtige U2-Zeit mit "Rattle and hum" (1989) vorerst endete.

Alles war wieder gut… …und dann kam die neue Single "Get on your boots".

Was war das? Oh nein, nicht schon wieder. Das waren die ersten Gedanken, die einem durch den Kopf schossen, nachdem das Lied erstmals im Radio gelaufen war. Es war im Auto, mitten im Stadtverkehr. Ablenkungsfaktor: hoch. Aber spaeter, daheim via Last.FM, wurde es zunaechst auch nicht besser…

Der Song wird allerdings besser, je oefter man ihn hoert. Trotzdem, es war kein guter Schachzug, ausgerechnet dieses Lied als Vorab-Single zu bringen, denn diejenigen, die daraufhin etwas komplett-Neues erwartet haben, werden vom Rest des Albums evtl. enttaeuscht oder gelangweilt sein
waehrend diejenigen, die auf ein "richtiges" U2-Album gehofft hatten, bis zum Release bangen mussten, ob dem auch wirklich so ist.

Gluecklicherweise ist es ein "richtiges" U2-Album geworden. These boots are not made for walkin' und somit kann der Song tatsaechlich als "Ausreisser" des Albums gewertet werden.

Gleich zu Beginn geht es in allerbester U2-Manier los. Der Titelsong des Albums kommt wuchtig daher, klingt manchmal etwas bemueht, geht aber gut durch. Das zweite Stueck "Magnificent" hat dann die "Boots" endgueltig vaporisiert. Ein Song, der auf den typischen Riffs von The Edge dahingleitet und mit Sicherheit einer der besten Songs des Albums ist, wenn nicht sogar der beste. 80er-Jahre-U2-Fans werden ihn lieben, die traditionellen Gegner wohl eher nicht :-)

Ein getragen gehaltener, brummeliger Bass charakterisiert "Moment of surrender" als drittes Stueck, waehrend Nr.4 ("Unknown Caller") den wohl U2-maessigsten Anfang der gesamten Platte bietet. Man meint tatsaechlich, den Song zu kennen, lediglich das gehaeufte "o-ho-hoo" laesst ihn manchmal ein wenig halbherzig erscheinen. Bei "I’ll Go Crazy" haben die Zerrelemente Hochkonjunktur und ansonsten eher passive Instumentalsequenzen, die am Rande der Uebersteuerung abgemischt sind, loesen sich in einem teilweise zuckersuessen Refrain auf, den Bono auf den Live-Konzerten sicherlich auskosten wird.

Als sechstes gehen die "Sexy Boots" ins Rennen – und bleiben vor dem erwarteten Ziel liegen.
"Stand Up Comedy" ist ein guter Song mit leicht ironischen Zuegen, der einen dominanten Riff mit hohem Wiedererkennungswert hat, aber hoechstwahrscheinlich doch ein typischer Album-Track bleiben wird. Der anschliessende, experimentelle Anfang von "FEZ – Being Born" lenkt zunaechst vom spaeteren Verlauf des Songs ab, aber nach ca. 1:35 Minuten sind wir dann zunaechst wieder im akustischen Zuhause angekommen. Auch dieser Song ist auf einem guten, hohen Niveau, doch zum Albumliebling wird’s wohl nicht reichen.

Bei "White As Snow", dem neunten Song, ist die Instrumentalisierung recht schlicht gehalten und Bono kann mal wieder den Storyteller spielen. Der Refrain beginnt toll, ergiesst sich dann aber leider auch wieder in einem "o-hoo-hooo". Da fehlt die lyrische Tiefe und somit ein potentieller Angriffspunkt fuer die Musik. Somit plaetschert das Lied ein wenig dahin, ohne wirklich zu langweilen oder gar zu schmerzen.

"Breathe" beginnt relativ amelodisch aber auch hier wird es bei den magischen 1:30 Minuten wieder sehr U2-typisch. Dies ist einer der Songs, die zum homogenen Gesamtbild des Albums beitragen. Und kaum ist man zu diesem Ergebnis gekommen, ist mit "Cedars Of Lebanon", dem elften und letzten Stueck des Albums, nach knapp 54 Minuten Gesamtspielzeit schon wieder alles vorbei. Ein netter Ausklang des Albums, man sieht Bono jetzt schon am Buehnenrand sitzen und das Lied untermalt von im Hintergrund projezierten Bewegtbildern interpretieren…

U2 experimentieren mal wieder, allerdings nicht so vordergruendig wie zu den Zeiten, die von den "Joshua Tree"-Liebhabern (wie ich wohl immer einer sein werde) oftmals mit Skepsis beaeugt wurden. Aber U2 zitieren sich diesmal auch wieder selbst. Das ist duchaus legitim, denn genuegend gutes Material war und ist da. Es ist gut, dass sie sich nach wie vor weiter entwickeln, mittlerweile dabei aber auch ihre Wurzeln nicht mehr vergessen. Solange sie es noch verstehen, jedem Teil der zumindest zweigeteilten Zielgruppe immer mal wieder auditiven Honig ums Maul zu schmieren, werden sie immer wieder gern gesehene Gaeste im heimischen Wohnzimmer sein. Hinter dem Horizont geht’s weiter…

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Mal Sondock Reloaded

28. Februar 2009 Kommentare ausgeschaltet

Koeln. Ein Regentag. Gipfeltreffen in Mal Sondock’s neuen Bueroraeumlichkeiten. David Toelle, der Betreiber der Mal-Sondock-Fanpage ist dabei, ebenso Christian Stronczek von Sony Music, eine Delegation von Radio Unna, Michael Kretschmann und ein Vertreter von NormCast.de :)

"Ääääängiiie!" droehnt es durch den Flur, Mal sucht CD-Huellen und hat seine Mitarbeiterin Angie in Verdacht, sie versteckt zu haben. Die eilt schnell herbei und findet das Gesuchte im Handumdrehen. Weiter geht’s zum nahegelegenen Griechen. Nach einem ordentlichen, gemeinschaftlichen Essen wandert die ganze Gruppe wieder zurueck, um noch einige Aufnahmen und Fotos zu machen.

Und warum das alles? – Darum:

Diese beiden 3-CD-Boxen werden am 13.03.2009 offiziell bei SonyMusic erscheinen, wobei unsereins die Ehre hatte, die jeweils dritte, moderierte CD der Boxen gestalten zu duerfen. Die Scheiben werden derzeit gepresst und die Cover gedruckt, deswegen hatten wir beim gestrigen Treffen auch nur Zettelkopien und vorab-gebrannte CDs zur Verfuegung.

Die Boxen koennen aber jetzt schon via Amazon.de vorbestellt werden, beide oben zu sehenden Bilder sind entsprechend verlinkt. Wer ueber diese Seite direkt dorthin geht und etwas bestellt, beschert mir dadurch einen kleinen Obulus :)

Ausfuehrliche Hintergrundinformationen gibt es auf einer hiesigen Sonderseite, zu erreichen ueber die obige Navigationsleiste oder direkt hier. Es wird bald eine Podcastfolge mit Mal und Christian im NormCast erscheinen und ein paar Videosequenzen habe ich auch eingefangen. Zusaetzlich haben die Leute und Leutinnen von Radio Unna ein Interview aufgenommen, welches am 11.03.2009 im Internet zu hoeren sein wird. Bis dahin… Wir hoeren uns…

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I don’t like Mondays

29. Januar 2009 Kommentare ausgeschaltet

Viele Lieder werden oft im Radio gespielt. Viel zu oft. So oft, dass man eigentlich gar nicht mehr so genau hinhoert. Das Autoradio spielt den Sender, der gerade keine Werbung oder das Lied bringt, welches sich im schnellen Umschaltvergleich als das ertraeglichste herausgestellt hat…

"I don’t like Mondays" von den "Boomtown Rats" ist so ein Lied, welches man manchmal nur unterschwellig wahrnimmt, weil es im Grunde genommen altbekannt ist. Ein Oldie. Irgendwo zwischen den "besten Hits der 70er, 80er, 90er und dem besten von heute" und der unendlichen Suche nach geheimnisvollen Geraeuschen…

Wer mal hinhoert, wird erstaunt sein. Bob Geldof erzaehlt in seinem Lied die Geschichte der damals 16-jaehrigen Brenda Spencer, die heute vor dreissig Jahren von ihrem Elternhaus ausgehend auf ihre Schule geschossen hat, welche genau gegenueber lag. Zwei Menschen liessen dabei ihr Leben, weitere wurden verletzt. Die Schuetzin begruendete ihre Tat mit den Worten: "Ich mag keine Montage – I don’t like Mondays". Unfassbar.

Links:
Anhoeren bei Last.fm
Der uebersetzte Text beim "Pop-Dolmetscher"
Der originale, englische Songtext
Wikipedia ueber das Lied
Das Video bei YouTube
Bob Geldof’s Homepage
Kleine Biographie der Boomtown Rats

Der WDR hat eine hoerenswerte 4-Minuten-Podcastepisode seiner Serie "Stichtag" hierzu produziert. Hier der Link zur MP3-Datei.

KategorienMusik

Klaus Lage im Gespraech

2. Januar 2009 Kommentare ausgeschaltet

Am 29.12.2008 ist am Rande des dritten GT smAll Stars-Konzerts die folgende Aufnahme entstanden, die an dieser Stelle aus diversen Gruenden leider nur "gestreamt" werden kann. Es gibt also leider keinen Download-Link und demzufolge auch kein Erscheinen dieses Interviews mit Klaus Lage im "richtigen" Podcast. Trotzdem ist es eine kleine NormCast-Spezialausgabe mit ca. 12 Minuten Spielzeit bei 10MB Ladevolumen, in der Klaus Lage backstage Rede und Antwort steht. Viel Spass damit!

Links:
Klaus Lage in Guetersloh
Klaus Lage`s Homepage
Wikipedia ueber Klaus Lage
Video: Konzertbericht vom 29.12.2008 bei Guetersloh TV
Video: Interview mit Klaus Lage bei Guetersloh TV
"Beste Lage"-Doppel-CD / "Nah Und Wichtig" – Das neue Album

KategorienLokales, Musik, NormCast

Musikstoeckchen

23. Dezember 2008 Kommentare ausgeschaltet

Und schwupps… da ward mal wieder ein virtuelles Stoeckchen geworfen. Diesmal kam es erneut aus dem KonFerenzRaum.
Von dort ist es mittlerweile tatsaechlich schon das ErsteZweite – Dritte :)

"Es wird langsam wieder Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, welche Musikalienveröffentlichungen im ausklingenden Jahr besonderer Erwähnung bedürfen, welche Tonträger uns am meisten beeindruckt haben. Dabei wollen wir aber auch nicht die Veröffentlichungen ausschließen, die vielleicht schon etwas älter sind, aber erst jetzt oder aber erneut die Trommelfelle erfreut haben."

Tja… ueber die Abgruende, die sich in diesem Jahr schon in den Verkaufscharts aufgetan haben, wurde in meinem Podcast ja schon das ein- oder andere Wort verloren, die brauchen nicht nochmal explizit erwaehnt zu werden. Es gab sehr gute Einzel-Songs, die eine ohrwurmige Wirkung auf mich hatten, allen voran meine persoenliche Jahres-Top-3:

1. Coldplay – Viva La Vida
2. The Killers – Human
3. Kid Rock – All Summer Long

Aus deutschen Landen kamen einige interessante Platten und das wiederum von groesstenteils "alten Haudegen". Die Single der Prinzen ("Frauen sind die neuen Maenner") blieb im Ohr und Udo Lindenberg legte mit "Stark Wie Zwei" die vielleicht beste, deutschsprachige Platte in diesem Jahr hin. Das Album kam wirklich ueberraschend und es ist ueberraschend-gut! Ein Bekannter von mir sagte kuerzlich, dass er Udo Lindenberg frueher nie gemocht hat, dieser aber anscheinend wie guter Wein ueber die Jahre immer besser geworden ist. Reinhoeren lohnt sich!

Erst kuerzlich hoerte ich das neue Album der "Toten Hosen" und war auch hier positiv ueberrascht, denn es hatten sich in den letzten Jahren doch einige Ermuedungserscheinungen in punkto "Hosen-Musik" ergeben. Waehrend man die alten Sachen ("Achterbahn", "Schwarzwaldklinik", "Hier kommt Alex" usw.) noch immer gerne gehoert hatte, wollten die neuen nicht mehr so recht zuenden. Dieses Album hat die ganze Sache wieder aufgefrischt…

Waehrend die Metallica-Platte aufgrund der grottenschlechten Abmischung vollends enttaeuschte, kam mit AC/DC’s "Black Ice" wieder eine richtig-frische, komplett durchhoerbare Hardrockscheibe mit Partycharakter daher. Fuer Freunde der sprichwoertlich "stinknormalen" Popmusik (die es immer seltener gibt), war "This Is The Life" von Amy MacDonald sicherlich eine richtige Erholung im schraegen Hitparadenalltag. Gerade deswegen, weil diese Platte so normal und berechenbar ist, wurde sie wahrscheinlich als so angenehm empfunden…

BritPop und -Rock war in 2008 auch wieder ganz gut vertreten.
Hervorzuheben sind hier eindeutig die Werke von Keane, den Kaiser Chiefs und den Last Shadow Puppets.

"Accelerate", das Album von R.E.M. gefiel ebenfalls trotz zuvor vorhandener "REM-Muedigkeit". Und obwohl der ganze Musikfuhrpark rund um "Timbaland" in diesem Jahr sehr rege war, verblieben lediglich Nelly Furtado`s "Say it right" aus dem letzten Jahr und mit Abstrichen "OneRepublic" im Ohr. Mit den gegenwaertigen Madonna-Sounds kann ich beispielsweise gar nichts mehr anfangen…

Schiller – in diesem Jahr ganz gross… …und verdammt gut!
Schade, dass "Let me love you" mit Kim Sanders kein groesserer Hit geworden ist.

Udo Juergens brachte mit "Einfach ich" endlich mal wieder ein ueberragendes Album heraus, welches sich in jeder Hinsicht wohltuend von den ganzen Compilations, die es zuvor gab und die, wenn ueberhaupt, nur wenige, neue Songs enthielten, abhebt. Ganz grosses Kino! Mehr dazu hier

Auch an der "Podsafe-Music-Front" gab es wieder interessante Sachen zu finden. Auf der Album-Ebene sei hiermit das Werk "Time" von John Hughes besonders lobend erwaehnt. Einzel-Songs wie "Far Cry From Gone" von Tom Yarbrough und "Stronger" von "Seabird" waren voellig berechtigt auf der Pole-Position der Podparade. Jasper schaute mit dem HDL-Song der internetten Gemeinde gekonnt auf`s virtuelle Maul und Jammin*Inc entfachten mit ihrem derzeit noch neuen Song "Bounce With Us" auch wieder das Interesse an ihrem gelungenen, aelteren Longplayer "Mit Anlauf". Und jetzt kommt seine Ukulele :)

Also… es hat sich viel getan. 2008 war sicherlich nicht das bisher schlechteste Musikjahr in diesem Jahrzehnt. Man muss die Perlen nur suchen – abseits der Castingshowveroeffentlichungen…

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