Vor Jahren sah man die ersten Boxer im Fernsehen mit aufgemalten Webadressen auf dem Ruecken. Mit zunehmender Dauer des Boxkampfs verschmierten diese immer mehr. Ein unaesthetischer Anblick, der irgendwie auch was "Prolliges" an sich hatte…
Im Zeitalter, wo traditionelle Namen von Fussballstadien auf der Suche nach neuen Werbe-Einnahmequellen zu oftmals gekuenstelt-schlecht klingende "Arenen" mutieren und normale Bandenwerbung oftmals schon durch staendig wechselnde Inhalte auf als Banden fungierende Flachbildschirmreihen verdraengt wurde, ist es daher leider (!) nicht so abwegig, ein Spielfeld selbst zur Werbeflaeche umzufunktionieren. Auch bei der derzeitigen Handball-Europameisterschaft ist dieses Phaenomen zu beobachten:

Es ist stoerend und irgendwie unangebracht. Ebenso das lautstarke Abspielen von irgendwelchen Mitgröhl-Sequenzen aus einschlaegigen Ballermann- und Partysongs selbst in den kuerzesten Spielpausen. Da geht das Urtuemliche doch irgendwie verloren, "Stadionhits" werden programmiert. Frueher haben Leute wie "Manolo" noch ohne ausgefeilte Technik Stimmung in die Bude gebracht. Werbung-Werbung ueber alles…
Waeren die "Kuechenchefs", die im Fernsehsender VOX aktiv sind, nicht ausgerechnet nach Guetersloh gekommen um das alteingesessene "Mam’s" im Ortsteil Hollen aufzupeppen, waere unsereins wahrscheinlich nie ueber diese Sendung gestolpert. Doch schon vor vielen Jahren wurden viele nette Stunden dort verlebt und daher war ein gewisses Grundinteresse an dieser TV-Episode freilich gegeben.
Die einzige Koch-Sendung, die gerne mal verfolgt wurde, war bisher "Rach, der Restauranttester" (RTL). Die Idee und Umsetzung dieser Sendung war und ist innovativ sowie interessant, wenn auch nicht unfehlbar, aber letztendlich "ist es ja nur Fernsehen", wie man so schoen sagt. Doch die Parallelen, die die VOX-Kuechenchefs zu Christian Rach’s Sendung (und deren britischer Vorlage) aufweisen, sind erschreckend-frappierend. Das gefilmte Geschehen rund um das "Mam’s" wirkte wie eine Mischung aus diversen, aelteren Rach-Folgen. Nachtraegliche Anmerkung: Im Kommentarbereich wurde mittlerweile zurecht angemerkt, dass die Rach-Sendung eigentlich der Nachzuegler ist…
Das Essen wird getestet, die Kueche wird beanstandet, natuerlich gereinigt und auf Kosten des Senders teilweise neu eingerichtet, die Aufgaben und Qualifikationen der Mitarbeiter werden in Frage gestellt bzw. neu definiert und letztendlich folgt die Einschwoerung des neu ausgerichteten Teams auf die neue Ausrichtung des Restaurants. Gespickt wird das Ganze mit kleinen Schicksalsgeschichten z.B. rund um den Gastwirt, der sich nicht selten in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Diese Elemente fanden sich nahezu vollstaendig in dieser "Kuechenchefs"-Folge wieder. Diese wiederum wirken "wichtig", aber auch kumpelhaft, doch ihre Dialoge kommen leider oftmals ziemlich gestellt-aufgesetzt daher. Dennoch entbehrt das Ganze nicht einer gewissen Grundfaszination nebst Sympathie und ausserdem bleibt ja alles in der Familie, denn VOX gehoert zur RTL-Gruppe…
"Die Revolution hat begonnen" troetete Roberto, der italienische Wirt des "Mam’s" mittels Megaphon aus dem Bulli der "Kuechenchefs" waehrend einer Fahrt durch die Guetersloher Fussgaengerzone. Das war die Werbeaktion fuer die Neu-Eroeffnung am Abend. In den hiesigen Lokalmedien war hingegen bis dahin wenig bis kaum etwas zu hoeren oder zu lesen. Erst relativ kurz vor der Ausstrahlung dieser Sendung gab es diverse Berichte darueber. In den naechsten Tagen wird das "Mam’s" sicherlich einigen Zulauf bekommen, es sei dem sympathischen Team von Herzen gegoennt! Doch ob die Massnahmen der "Kuechenchefs" dauerhaft fruchten, wird wie fast immer die Zeit zeigen. Die "Pizza Kalbzone" und die "Lammsagne" sind aber bestimmt mal einen Versuch wert :)
"Heute ist das Radio keine Wundertüte mehr. Es ist ein Brechbeutel…" Dieses Zitat von Goetz Alsmann spricht Peter Petschull mit Inbrunst aus. Tatsaechlich scheint er der Generation anzugehoeren, die sich das Radio aus alten Tagen herbeisehnt, weil sie dem heutzutage leider viel zu oft auffindbaren Gute-Laune-Praktikantenfunk nicht mehr viel abgewinnen kann.
Doch anstatt sich in einen faradayschen Kaefig zurueckzuziehen, geht Peter in die Offensive und startet einen Podcast, der sich mit freier Musik beschaeftigt und diese auch zu Gehoer bringt. Im NormCast 152 bekam er eine Test-Plattform dafuer und jetzt wird das Kueken sozusagen fluegge :) Obwohl, Peter als "Kueken" zu bezeichnen, trifft es wahrlich nicht, denn eigentlich ist er der Aeltere und ebenso eigentlich kommt er sowohl im privaten als auch in seinem beruflichen Umfeld immer wieder mit den Medien in Beruehrung.
Auf der Blogseite http://radio-bingen.blogspot.com ist bereits die erste, eigenstaendige Ausgabe seiner neuen Sendung abrufbar.
Vergleiche mit dem mittlerweile leider geschlossenen "Podcastcafé" von und mit Juergen Schlund, der jetzt bei Radio Lechtal eine eigene Sendung hat, wurden schon gezogen.
Das Prinzip "ruhige Moderation – Musik – Moderation" findet sich auch tatsaechlich in beiden Formaten wieder. Juergen ging bei der Vorstellung der Interpreten allerdings noch viel mehr ins Detail und dieses in Kombination mit seiner aeusserst sonoren, guten Radiostimme und der oftmals genialen Musikauswahl war ueber 119 Folgen ein Garant fuer beste und angenehmste Unterhaltung.
Dieses Erbe anzutreten ist schwer und noch ist Peter’s Podcast nicht ganz vergleichbar, aber die Richtung stimmt und das wird ihn hoffentlich zu weiteren Sendungen motivieren. Viel Erfolg!
Die Sesamstrasse war im Grunde genommen eine revolutionaere Fernsehsendung. In den Urfolgen wurde viel Wert darauf gelegt, Menschen unterschiedlichster Herkunft mit den Puppen interagieren zu lassen, wobei diese Puppen nicht immer unfehlbar waren, siehe "Oskar aus der Muelltonne" oder das verfressene "Kruemelmonster". Das brachte rege, wohlgemerkt zeitgenoessische Diskussionen mit sich und fuehrte letztendlich sogar zu diversen "Anpassungen", unter anderem auf Kosten Oskar’s und dem Kruemelmonster, welches anstatt "Kekseeee" auch mal Kohlrabi essen musste.
Die deutschen Versionen etablierten sich sehr gut. Dank Lilo Pulver, dem Baeren Samson oder der Wecker-sammelnden Tiffy und nicht zuletzt durch den Herrn von Boedefeld entwickelte sich ein nationales und erfolgreiches Eigenleben in der Sesamstrasse.
Generationen haben zugeschaut und jede wird wohl ihre besonderen Erinnerungen daran haben. Im hiesigen Fall sind es (natuerlich altersbedingt) die oftmals ganz fruehen Episoden, von denen einige Ausschnitte erfreulicherweise auch bei YouTube zu finden sind. Hier eine kleine Auswahl…
Ernie’s Quietscheentchen-Lied
Ma Nah Ma Nah (deutsche Version)
"Haett' ich dich heut' erwartet haett' ich Kuchen da"
In Mueller’s Musikhandlung
Sesamstrasse – Die allererste Folge
Kruemelmonster – Schnell und langsam
Grobi als Ober
Ernie und Bert – Schokoladenkuchen
Ernie liest ein Buch und Bert will schlafen
Das O-Lied
Welches Kind macht was anderes?
Das Schrottplatzlied
Parodie: Bernie und Ert
Parodie: Bimmel und Bommel – Das gute A
Parodie: Bimmel und Bommel – Das E
Sie wurde und wird auch auf dieser Seite immer wieder gern zitiert und sie war eine der ersten Anlaufstellen fuer externe Informationen bzw. Nachrichten: Die Netzeitung.
Kurz vor ihrem zehnjaehrigen Jubilaeum werden nun die nicht vorhandenen Druckerpressen stillgelegt…
Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben. Aus diesem Grund wird sämtlichen Mitarbeitern in Kürze betriebsbedingt gekündigt werden (…) Wir bedauern die für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten. In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich aber nicht zu betreiben. (Quelle: Netzeitung)
Die Netzeitung war nach eigenen Angaben die erste, deutschsprachige Zeitung mit Vollredaktion und ueberregionaler Ausrichtung, die ausschliesslich im Internet erschien. Dahinter verbarg sich eine Schar Journalisten, die ihre Arbeit ueber die Jahre zuverlaessig und gut verrichtete. Die Wurzeln des Projektes lagen allerdings nicht in Deutschland. "Im Frühjahr 2000 wurde das Blatt von Nettavisen.no gegründet, den norwegischen Pionieren des Online-Journalismus. Im selben Jahr wurde die Netzeitung.de von Bertelsmann übernommen. Im Jahre 2003 ging das Unternehmen dann an den Chefredakteur und Geschäftsführer der Netzeitung Dr. Michael Maier und Ralf Dieter Brunowsky. Sie bauten es zu einem übergreifenden Nachrichtenunternehmen aus." (Quelle: Netzeitung)
Im Gegensatz zu anderen Onlineportalen wie z.B. Sueddeutsche.de oder den Praesenzen diverser Lokalzeitungen hatte die Netzeitung fuer mich immer irgendwie einen neutraleren, ueberregionalen Charakter und wurde daher zur Schaffung eines generellen, ersten Ueberblicks oftmals als erstes herangezogen. Erst danach ging die virtuelle Reise ggf. weiter auf die Webseiten der Zeitungen, in deren "normalen" Einzugsbereichen die entsprechenden Dinge passierten.
Es ist schade, dass die Netzeitung zum Jahresende 2009 in ihrer jetzigen Form eingestellt wird.
Mit ihr geht ein Stueck Internetgeschichte dahin…